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Ludwig van Beethoven

Die Violinsonaten

Leonidas Kavakos, Enrico Pace

Decca/Universal 478 3523
(237 Min., 8/2011, 2 & 4/2012) 3 CDs

Im Booklet bezeichnet Leonidas Kavakos in einem kleinen Vorwort die zehn Violinsonaten Beethovens als „Parthenon“. Und einige Zitate daraus hat er gar als Motto für jede der drei CDs gewählt. Die ersten drei Sonaten sowie die „Frühlingssonate“ empfindet er als „Schrein des Wissens und der Weisheit“. Mit „Leben als Mission“ ist die Nr. 2 mit u.a. der „Kreutzer-Sonate“ betitelt. Und gerade Beethovens letzte Sonate steht für Kavakos als eine „Weiterentwicklung als kompromisslose Bedingung für den Eintritt in eine neue Ära“. Wer sich dementsprechend auch ein wenig ehrfürchtig so seine Gedanken gemacht hat über das Sonaten-Konvolut, der baut zwangsläufig Erwartungshaltungen beim Hörer auf. Kann er all das wirklich deutlich machen?
Von seinen bisherigen Einspielungen weiß man, dass Kavakos über das nötige manuelle und geistige Rüstzeug verfügt, um musikalische Wesenszüge zum Sprechen zu bringen. Doch den Worten sind jetzt kaum Taten gefolgt. Von Kavakos hat man zwar keine expressiv-romantische Deutung erwartet. Dass der stattdessen klassizistisch eingeschlagene Weg jedoch oftmals geradezu handzahm, zurückhaltend im Gestalterischen und damit spannungslos ausfällt, ist schon eine Überraschung. Das gilt nicht nur für das Dreierpaket op. 12, sondern besonders für die „Frühlingssonate“ mit ihrem gediegenen (Mozart-)Charme. Der Fortschrittler Beethoven dagegen darf sich schon wegen des fehlenden nervösen Duktus nicht zu erkennen geben.
Zusammen mit Pianist Enrico Pace bildet Kavakos ein Duo, das sich durchaus blendend versteht. Und auch die farbliche Variabilität und rhythmische Sorgfalt gehört zu den unbedingten Pluspunkten ihres Spiels. Nur endgültig ausgereizt haben sie diese allzu selten. Und wenn sie es doch wagen, bleibt es nur episodenhaft. In den ersten Takten der Solo-Violine im einleitenden Adagio sostenuto der „Kreutzer-Sonate“ arbeitet Kavakos in aller Schärfe die Nähe zu Bach heraus und zeigt sich auch im dramatischen Bewegungscharakter des Presto fulminant. Und warum Schubert den langsamen Satz der 10. Sonate so ungemein geschätzt hat, wissen Kavakos und Pace mit großem Leben und Atem zu bestätigen. Nur sind solche Glanzpunkte lediglich an einer Hand abzuzählen.

Guido Fischer, 16.03.2013



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