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Franz Schubert

Sinfonien Nr. 5 & 6

Antonello Manacorda, Kammerakademie Potsdam

Sony Classical 88765426962
(60 Min., 8/2012)

Ist die 5. Sinfonie von Franz Schubert wirklich nur ein „schwacher Abguss von Mozart“, wie es einmal Eduard Hanslick spöttisch formulierte? Wenn es nach der Kammerakademie Potsdam geht, hat sich Schubert auf dem Weg der sinfonischen Selbstfindung eher gekonnt an Haydn gehalten. Sanglich heiter, zügig schwungvoll und mit dem entsprechenden Gespür fürs Gefällige ziehen die Musiker unter ihrem Chefdirigenten Antonello Manacorda da ihre Bahnen. Die Rhythmisierung läuft uhrwerkgleich präzise ab und besitzt doch ungemein anspringende Lebendigkeit. Und selbst wenn Schubert sich die kompositorischen Finessen und das sorglose Dialogisieren einzelner Stimmgruppen von Haydn abgeschaut haben mag – bei den Potsdamern kommt das eben nicht rückwärtsgewandt oder im schlimmsten Fall altväterlich rüber, sondern jugendlich, glanzvoll und zielstrebig souverän. Dass man dabei selbst im Taghellen so manchen Schubertschen Schmerzenston übersieht (3. Satz), sei daher verziehen.
Auch bei der ein Jahr später entstandenen 6. Sinfonie hat das Orchester schnell Schuberts Leitstern ausgemacht. Es ist natürlich Beethoven, der gleich zu Beginn der langsamen Einleitung das Zepter erheben darf. Doch selbst wo die Blechbläser samt Pauken mit mächtigem Furor auftrumpfen, weiß Manacorda umsichtig die gefährlichen Fliehkräfte zu bändigen. Und wenn man im Finalsatz dann über den Mittelsmann Schubert sogar ein Treffen zwischen Beethoven und dem Witzbold Haydn arrangiert, ist das nur eine von vielen Überraschungen in dieser wirklich tollen Aufnahme.

Guido Fischer, 23.03.2013



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