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Justin Heinrich Knecht

Grande Symphonie (Orchesterwerke und Arien)

Sarah Wegener, Frieder Bernius, Hofkapelle Stuttgart

Carus/Note 1 CAR83228
(48 Min., 11/1997, 4/2008 & 2/2011)

Frieder Bernius ganz ohne seinen Chor – das kommt gelegentlich vor. Und auch wenn wir ihn vor allem mit der von ihm kreierten unverwechselbaren Vokalensemble-Klangkultur identifizieren, lassen wir uns gern vorführen, wie man solche interpretatorischen und gestalterischen Ideale auf ein Orchester überträgt. Denn auch die Hofkapelle Stuttgart musiziert ganz und gar nach Bernius‘ Klangvorstellungen, und es gibt dabei durchaus Parallelen zum „Stuttgarter Chorsound“: Das Miteinander eines warmen, weichen Timbres, das sowohl das Spiel der Streicher wie auch dasjenige der Bläser auszeichnet, und einer höchst plastischen und präzisen, quasi „nachschöpferischen“ Durchgestaltung des musikalischen Satzes könnte als prägnant hervorstechender Komplex von Bernius-Merkmalen betrachtet werden.
Diese Orchester-Kultur ist die Voraussetzung dafür, dass die hier präsentierte Musik des Oberschwaben Justin Heinrich Knecht (1752-1817) bestmöglich zur Geltung kommt. Denn so sehr man Knechts pastorales „Portrait musical de la nature“, das wie die meisten anderen dargebotenen Stücke erstmals auf einem Tonträger erscheint, als Vorläufer von Beethovens „Pastorale“ verstehen darf, so klar ist doch auch, dass dieses Werk eben wirklich nur ein Vorgeschmack auf Beethoven ist. Will sagen: Ohne Bernius‘ fast fanatische Liebe zum Detail, durch die selbst jede kleine Überleitung zum Ereignis wird, durch die aber auch etwa jenes nette kleine „harmonische Labyrinth“ im zweiten Satz, mit dem sich das herannahende Unwetter ankündigt, unbestechlich klar und sauber zum Erklingen gebracht wird, könnte man Knechts Musik beinahe für ein ganz klein wenig belanglos halten …
Aber wir wollen nicht den Interpreten vom Werk isolieren: Bernius bietet Knecht mit bedingungslosem Engagement dar, und zwar nicht nur seine „Pastoral-Sinfonie“, sondern auch eine kleine Auswahl seiner Arien. Sarah Wegeners ruhig und gerade geführte Sopranstimme bringt dann doch noch etwas vom „Stuttgarter Vokal-Flair“ auf diese CD: Es ist kaum zu bezweifeln, dass bei einem so gründlichen Verzicht auf jegliche sängerische Allüre und Extravaganz Bernius‘ gestaltende und formende Hand mit im Spiel war.

Michael Wersin, 13.04.2013



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