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Sunset Sunrise

In The Country

ACT/Edel 1095482ACT
(65 Min., 5/2012)

Als Piano-Trio aus Skandinavien zu kommen, kann eine ziemliche Bürde sein. Weil man stets Gefahr läuft, mit dem legendären schwedischen Dreier e.s.t. verglichen zu werden. Das gilt für die Norweger von „In The Country“ im besonderen Maße. Schließlich sind Pianist Morten Qvenild, Bassist Roger Arntzen und Schlagzeuger Pål Hausken mittlerweile bei ACT unter Vertrag, eben jenem Label, das Esbjörn Svensson und den Seinen einst den Durchbruch in Europa bescherte.
Keine Ahnung, ob das gewollt ist oder nicht: Aber der „Birch Song“, der Auftakt von „Sunset Sunrise“, klingt mit dem schleppenden Besen-Groove sowie in der Melodieführung fast genauso wie „Believe Beleft Below“, der größte Balladen-Hit der schwedischen Superstars. Im späteren Verlauf verliert das Stück allerdings jegliche Ähnlichkeit mit der charakteristisch sonnigen e.s.t.-Melancholie. Das Klavier rutscht in einen Bass-Abgrund, merkwürdige Störgeräusche sind zu vernehmen, die sich wie das Zirpen eines elektronischen Totenvogels ausnehmen. Womit der eigentliche Grundton der Aufnahme angeschlagen wäre.
„Sunset Sunrise“ wird ungeachtet seiner friedlich-meditativen Oberfläche von einer permanenten Spannung bestimmt. Oftmalige Klangverfremdungen und vom Klavier gehämmerte Achtel erzeugen eine düstere, bedrohliche Stimmung. Und selbst, wenn es mal etwas heiterer zugeht wie in dem skurrilen „Steelplants“, wähnt man sich keineswegs behaglich auf dem Lande, wie es der Bandname andeutet, sondern eher in einer fehlfarbenen Science-Fiction-Landschaft.
e.s.t.-Epigonen? Von wegen. Mit „Sunset Sunrise“ beweisen „In The Country“, dass sie mehr mit Edvard Grieg oder Radiohead gemeinsam haben als mit Esbjörn Svensson.

Josef Engels, 20.04.2013



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