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George Gershwin, Aaron Copland, Leonard Bernstein, Darius Milhaud u.a.

In Rhythm

Sebastian Manz, Martin Klett

CAvi/harmonia mundi CAVI 8553271
(69 Min., 7 & 8/2012)

Wer musikalisch den Sprung über den großen Teich in die Neue Welt wagt, sollte sich vorher vergewissern, ob er wirklich das berühmte „Feeling“ für die Blue Notes oder Tango-Rhythmen hat. Schließlich sind viele beim Versuch gnadenlos gekentert, das fehlende Gespür für Gershwin, Bernstein oder Piazzolla mit überdrehten Gute-Laune-Effekten oder schmalzig-nostalgischem Pathos zu kompensieren. Nun kommt das junge Duo Riul mit seiner zweiten CD „In Rhythm“ um die Ecke. Und schon in den für Klarinette und Klavier arrangierten „Three Preludes“ von George Gershwin zeigen Sebastian Manz und Martin Klett, wie es eigentlich gehen muss.
Der Drive sitzt perfekt und kommt doch vital, wie angeboren daher. Dann wieder geben sich die beiden jungen Ausnahmemusiker als coole Boys, die dauerflirtend über den Broadway schlendern. Und selbst wenn Manz zwischendurch seine Klarinette richtig „dirty“ in Stellung bringt, wirkt selbst das nicht wie eine schlechte Parodie auf den Jazz-Jargon, sondern einfach lässig aus dem Ärmel geschüttelt. Hier wie überhaupt in fast allen Stücken hat es sich somit mehr als nur ausgezahlt, dass Manz und Klett musikalisch nie eingleisig gefahren sind. Der aktuelle Solo-Klarinettist des RSO Stuttgart hat das ABC des Jazz in Big Bands gelernt. Und sein langjähriger Klavierpartner nimmt sich trotz vieler kammermusikalischer Verpflichtungen immer wieder die Zeit, sich speziell mit dem Tango zu beschäftigen.
Alles besitzt daher nun Klasse und Stil. Magisch sanft kosten Manz & Klett da einen Blues des walisischen Wahl-Amerikaners Alec Templeton aus. In der Duo-Fassung von Aaron Coplands Klarinettenkonzert spannt man den Bogen von Erik Satie´schem Charme bis zum maschinenhaften Groove, den Sebastian Manz im rhythmisch soghaften Solo „New York Counterpoint“ von Steve Reich mit Raffinement und elegantem Atem fortspinnt. Und selbst ein Stück von Astor Piazzolla oder Darius Milhauds „Scaramouche“ kommen einfach unbeschwert unterhaltsam und endlich nicht verkrampft originell rüber.

Guido Fischer, 27.04.2013



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