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Johann Sebastian Bach

Das Orgelwerk auf Silbermann-Orgeln

Ewald Kooiman, Ute Gremmel-Geuchen, Gerhard Gnann, Bernhard Klapprott

Aeolus/Note 1 AE-10761
(4/2008 - 7/2011) 19 CDs, SACDs

Bei solchen Mammutprojekten stellt man sich reflexartig die Frage, wann in den letzten Jahren Ähnliches von Labels produziert wurde, die sich mittlerweile verstärkt auf die gewinnbringende Ausschlachtung ihres Bachkatalogs konzentrieren. Dabei gab es tatsächlich mal Zeiten und Musiklieber unter den Managern, die die Aufnahme des Bach´schen Orgelwerks etwa von Helmut Walcha oder Lionel Rogg nicht als wirtschaftliches Himmelsfahrtkommando, sondern als Selbstverständlichkeit ansahen. Glücklicherweise sind Engagement und Wagemut bei den kleineren Labels ungebrochen. Und so hat man am Niederrhein an der Gesamteinspielung des Bach´schen Orgelschaffens ausschließlich auf Instrumenten der Silbermann-Dynastie festgehalten, nachdem unerwartet der niederländische Bach-Spezialist Ewald Kooiman verstorben war. Für seine immerhin schon dritte Komplettbeschäftigung mit Bach hatte er bereits acht CDs auf den Orgeln von Ebersmünster, Bouxwiller, Wasselonne und Marmoutier aufgenommen. Mit Ute Gremmel-Geuchen, Gerhard Gnann und Bernhard Klapprott konnten nun drei ehemalige Kooiman-Schüler gewonnen werden, die auch an den vier weiteren Silbermann-Orgeln von Straßburg, Soultz-Haut-Rhin, Arlesheim und Villingen das CD-Unternehmen vollendeten.
Unter den Händen und Füßen dieser vier Organisten blühen nicht nur die historischen Instrumente auf. Selbst der hinlänglich ausgemessene Bach-Kosmos präsentiert sich dank der exzellenten Aufnahmetechnik und Wiedergabe in zeitgemäßer Größe und Tiefe. Aufregende Farbigkeit und schlüssige Gedankenvielfalt, das Dialektische von Entspannung und Spannung sowie das Wechselspiel zwischen energisch-motorischer Virtuosität und feinfühliger Akribie sind da nur einige der herausragenden Züge eines Bach-Porträts, von dem man lange, gar Jahre zehren wird.

Guido Fischer, 04.05.2013



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