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Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart

Streichquartett f-Moll op. 95, Streichquartett Es-Dur KV 428 u.a.

Chiaroscuro Quartet

Aparté/harmonia mundi AP051
(57 Min., 5 & 10/2012)

Wem noch die Wucht in den Ohren nachhallt, mit der unlängst auch die Aufnahmetechnik das englische Belcea Quartet die Tür zu Beethovens Quartett op. 95 auftreten ließ, der muss bei jeder nachfolgenden Aufnahme erst einmal umdenken. Und diese unmittelbare Schockwirkung bekommt selbst das Chiaroscuro Quartet auf seinen historischen Instrumenten nicht hin. Harmlos geht dieses Vier-Nationen-Ensemble aber trotzdem nicht zu Werke. Im Gegenteil. Gerade in dem ständig zwischen Explosivem und Verklärtem hin- und herpendelnden Eröffnungssatz lassen die Musiker keine Gelegenheit aus, um das für Beethovens Zeitgenossen Schockierende dieser Musik unter allen Umständen zu verdeutlichen. Dass man dabei so manche Intonationsschwankungen in Kauf nimmt – geschenkt. So spektakulär verquer diese Wildheit da herausbricht, so verliert sie dennoch ein wenig an Spannung und wirkt somit etwas gleichförmig. Denn ohne das Metaphysische, das da längst im Revoluzzer Beethoven steckte, bleibt diese Musik nur effektvoll.
Dabei kann das russisch-spanisch-schwedisch-französische Quartett beeindruckend mit dynamischer Differenziertheit in Subtilität und Tiefendimension punkten. Im langsamen Beethoven-Satz etwa und nicht zuletzt in Mozarts Es-Dur-Streichquartett KV 428. Und dass man Robustheit auch klar, präzise und impulsiv umsetzen kann, ohne das große ganze Gefüge auseinanderzutreiben, ist im Beethoven-Finale belegt. Für den beseelten Schwung im Mozart-Happy End fehlt es den Musikern hingegen vielleicht noch ein wenig an dem, was man Reife nennt. Und die „Fugen“-Abgründe von Mozarts Doppelpaar Adagio & Fuge KV 546, das als Scharnier zwischen den beiden Quartetten fungiert, scheinen doch etwas überdramatisiert. Trotzdem ist die Aufnahme hörenswert, da diskussionswürdig.

Guido Fischer, 11.05.2013



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