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The View From Here

Kyle Eastwood

JazzVillage/harmonia mundi JV 570020
(65 Min., 9/2012)

Es hat durchaus Vorteile, Sohn eines Hollywoodstars zu sein. Nicht nur, dass Kyle, Spross von Clint Eastwood, schon früh mit der Musik von Count Basie, Ella Fitzgerald oder Sonny Rollins konfrontiert wurde – er lernte diese Künstler auch alle persönlich kennen. Backstage beim Monterey Jazz Festival, dessen Besuch sommerliches Pflichtprogramm bei Familie Eastwood war.
Vielleicht ist dieser ungezwungene Umgang mit den großen Improvisatoren – neben der offenbar genetisch bedingten Coolness – auch der Grund für Kyle Eastwoods ungemein lässigen Umgang mit der Jazzgeschichte. Das zeigt sich auf seinem inzwischen sechsten Album unter eigenem Namen, das der Bassist den Meistern widmet, die er in seiner Jugend verehrte und traf.
„The View From Here“ klingt dabei keineswegs nostalgisch, sondern erweist sich in seiner Vermischung von geschmeidig hardboppigen Bläser-Unisoni, dezenten Afro-Exotismen und butterweichen Samba-Grooves als angenehm zeitlose Angelegenheit. Eastwood, der mit den Musikern seines britischen Quintetts gemeinsam für die Kompositionen verantwortlich zeichnet, greift selbst hauptsächlich zum E-Bass, auf dem er sich solistisch in der Nähe von fingerflinken Tiefton-Stoikern wie Abraham Laboriel bewegt.
Für das Temperament, an dem es dem Bandleader gelegentlich mangelt, sorgen die Bläser. Saxofonist Graeme Blevins und Trompeter Graeme Flowers teilen nicht nur den Vornamen, sondern auch – wie die Stücke „Une nuit au Senegal” und “Mistral” eindrucksvoll beweisen – die Lust an energischen Improvisationsgefechten. Kyles Vater könnte diese Duelle gewiss nicht besser inszenieren.

Josef Engels, 18.05.2013



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