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My Precious Manuscript (Barockwerke von Henry Butler, John Jenkins, Dietrich Stoeffken u.a.)

La Sainte Folie Fantastique

Alpha/Note 1 ALP 191
(67 Min., 9/2012)

Nichts gegen die Pioniere, die vor einem halben Jahrhundert auch die Kammermusik mit ihren Gamben und Cembali durchforsteten. Doch es braucht eben Zeit, bis nicht nur das Spiel auf den Klang-Antiquitäten in Herz und Blut übergangen ist, sondern vor allem der Geist der Musik. Und erst dann beginnt sie wirklich zu atmen, zu duften, zu betören. Genau diese Qualität besitzt das Miteinander des jungen französischen Quartetts La Sainte Folie Fantastique. Bereits während ihrer Studienzeit haben sich der Violinist, die Gambistin, der Organist bzw. Cembalist und der Lautenist zusammengetan, um ihrer Passion für die Alte Musik nachzugehen. Nun liegt das Debüt-Album des Ensembles vor. Und wenngleich eigentlich das sich aus zahllosen Raritäten zusammensetzende Programm der Star sein sollte, sind es die vier Musiker. Was die Linienführung, Verve und Aufhellung der Satzstrukturen angeht, aber auch den Sinn fürs melodisch Umschmeichelnde und Seligmachende, schafft man an den scheinbar ewig jungen historischen Instrumenten aus dem Stand Großes, Bewundernswertes.
Andererseits kann man sich vielleicht nur zu solchen Höchstleistungen aufschwingen, wenn die Noten die entsprechenden Steilvorlagen bieten. Erstaunlicherweise haben La Sainte Folie Fantastique nun Werke von Komponisten ausgegraben, die nur noch absoluten Insidern ein Begriff sind. Dazu gehören der deutsche Gambist Dietrich Stoeffken sowie die Engländer John Jenkins und Henry Butler. Von ihnen und weiteren Zeitgenossen wie Wilhelm Brad hat man Sonaten, Suitensätze und Solo-Stücke ausgewählt, die man vorrangig in dem sogenannten „Durham Manuscript“ entdeckt hat. Diese aus 44 Stücken bestehende Notensammlung befindet sich in der Bibliothek der im Nordosten Englands gelegenen Kathedrale von Durham und wurde vermutlich zwischen 1675 und 1680 angelegt. Dieses Konvolut ist nicht nur eine Fundgrube für Musikwissenschaftler, die sich mit den Schnittstellen zwischen der englischen und italienischen Musik im 17. Jahrhundert beschäftigen wollen. Wie La Sainte Folie Fantastique jetzt beweisen kann, ist es eine Goldgrube.

Guido Fischer, 18.05.2013



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