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Matthew Locke

Consort Of Fower Parts - Sehcs Suiten

Flanders Recorder Quartet

Aeolus/Note 1 AE-10106
(59 Min., 2004) SACD

Im England des 17. Jahrhundert lebte es sich nicht leicht: Tiefgreifende Umbrüche beeinflussten massiv den Alltag der Menschen; welcher Glaubensrichtung man angehörte, konnte von entscheidender Bedeutung sein, die staatlich verordnete »richtige« Religion wechselte in jenem Jahrhundert mehrfach. Der um
1622 geborene Komponist und Organist Matthew Locke war zunächst Anglikaner, dann Katholik. Letzteres war für ihn vor allem in der puritanischen Cromwell-Ära hinderlich, in der zudem das vormals reiche Londoner Musikleben auf ein klägliches Minimum zurückgefahren wurde. Umso mehr konnte Locke dann ab 1660 zum Wiederaufbau der Hofmusik unter dem Stuart-König Charles II . beitragen.
Von den Umtrieben jener Zeit verrät Matthew Lockes faszinierend friedliche Consort-Musik rein gar nichts. Sechs Suiten, bestehend
jeweils aus einer »Fantazie« und drei Tanzsätzen, sammelte Locke um 1660 unter dem Titel »Consort Of Fower [Four] Parts«.
24 wahre Meisterstücke der Kompositionskunst im bisweilen homophonen, bisweilen auch imitatorischen Satz verbergen sich hinter dieser schlichten Bezeichnung. Sie atmen den Geist einer schier überwältigenden Gemütsruhe, die, so ist es überliefert, dem recht jähzornigen Meister eigentlich gar nicht zu Eigen war.
Das Flanders Recorder Quartet präsentierte die Stücke im Jahre 2004 auf nachgebauten barocken Blockflöten so vollkommen, dass die Einspielung schon heute in den Olymp gehört: Intonationsrein ohne jegliche Trübung und wunderbar rund im Klang macht die Darbietung gerade auch jene läuternde Wirkung, die die Musik vielleicht auch auf das unruhige Wesen ihres Schöpfers hatte, zum Erlebnis.

Michael Wersin, 18.05.2013



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