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Théodore Gouvy

Die Werke für zwei Klavier

Laurent Martin, Carole Dubois

Ligia/Klassik Center LID030224912
(79 Min., 10/2012)

Es klingt durchweg sehr unterhaltsam, ist aber spieltechnisch beileibe keine leichte Kost: Die Musik für zwei Klaviere aus der Feder des Franzosen Théodore Gouvy (1819 – 1898) verlangt dem Duo Martin & Dubois so einiges ab – und dass die Schwierigkeiten des Klaviersatzes dem aufmerksamen Hörer nicht völlig verborgen bleiben, ist der einzige Kritikpunkt an dieser ansonsten höchst empfehlenswerten CD. Der Deutschfranzose Gouvy, als Sprössling einer Fabrikantenfamilie mit belgischen Wurzeln in der Nähe von Saarbrücken geboren, betätigte sich als Komponist auf der vollen Breite der gängigen Gattungen. Seine Musik für zwei Klaviere verdankt ihre Entstehung offenbar einer privaten künstlerischen Verbindung: Im heimatlichen Hombourg-Haut wohnte Gouvy in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Witwe seines Bruder, die eine begabte Pianistin war. Ursprünglich für das Zusammenspiel mit ihr scheint er zwischen 1870 und 1883 die auf dieser CD versammelten Stücke komponiert zu haben.
Das musikalische Feuerwerk, das er damit im Hause Gouvy regelmäßig gezündet haben muss, kann man sich beim Hören dieser Einspielung lebhaft ausmalen: Es gibt eine umfangreiche „Sonate für zwei Klaviere“, ein „Scherzo“, einen Variationszyklus über die alte irische Melodie „Lilli Bulléro“, eine große „Phantasie“, ein „Divertissement“ und einen umtriebigen „Marche“. Gemeinsam ist allen Werken der bemerkenswerte musikalische Ideenreichtum, wobei Gouvy freilich nicht gerade ein Avantgardist war: Seine Musik ist von ähnlicher unkomplizierter Spielfreude geprägt wie etwa diejenige seines Zeitgenossen Camille Saint-Saёns, mit dem Gouvy übrigens regelmäßig korrespondierte. Die Faktur des musikalischen Satzes ist stets gediegen und von ausgeprägtem Sinn für die klanglichen Möglichkeiten des Klavier-Doppels gekennzeichnet. Ein ausführlicher Beihefttext – der Länge geschuldet nur in Französisch – hilft mittels analytischer Betrachtungen mit Notenbeispielen, das Hörerlebnis zu vertiefen.

Michael Wersin, 08.06.2013



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