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Birds

Marius Neset

Edition/Soulfood EDN1040
(62 Min., 4/2012)

In Norwegen feiert man ihn bereits als den besten einheimischen Saxofonisten seit Jan Garbarek, und auch hierzulande konnte sich Marius Neset mit seinem fulminantem Debüt „Golden Xplosion“ und diversen Festivalauftritten einen Namen machen. Keine einfache Situation. Es gibt ja schließlich diesen Spruch, dass das zweite Album immer das schwerste sein soll. Neset hat aus diesem Druck eine Tugend gemacht. Und übertrifft sich mit „Birds“ selbst.
Schon das titelgebende Eröffnungsstück macht den Zuhörer ganz schwindlig. Virtuos schichtet Neset da verschiedenste Stil- und Rhythmus-Patterns über- und ineinander. Mindestens drei unterschiedliche Besetzungen lässt der Norweger da aufeinander los: ein folkloristisches Trio mit Akkordeon, Flöte und Saxofon, ein Blechblasensemble sowie sein eigenes eingespieltes Trio (Ivo Neame am Klavier, Jasper Høiby am Bass sowie Anton Eger an den Drums), das er um Jim Harts Vibrafon erweitert hat. Im Zusammenspiel klingt das wie ein feucht-fröhlicher Besuch auf dem Jahrmarkt, bei dem Frank Zappa, Astor Piazzolla, Steve Reich, Steps Ahead und Igor Strawinski gemeinsam eine Achterbahnfahrt unternehmen.
Ähnlich überbordend voll mit Assoziationen an irische Gelage, Disney-Musicals, Big-Band-Eruptionen und Wagner-Bombast ist auch die „Fanfare“, die als CD-Abschluss eine Klammer mit dem irrwitzigen Auftakt bildet. Zwischendurch zeigt Neset, der auf dem Sopran gelegentlich an Branford Marsalis (etwa bei „Portugese Windmill“), auf dem Tenor oft an Michael Brecker („Sacred Universe“) erinnert, dass er auch anders kann. Aber selbst bei Balladen oder pointilistischen Stücken weiß man nie, was einen erwartet. Sicher: Ein bisschen weniger Hyperaktivität hier und da wäre besser gewesen. Aber wer will es Neset, dem Saxofonüberflieger und Jungmeister klanglicher Wimmelbilder, verdenken.

Josef Engels, 08.06.2013



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