Responsive image
Aaron Copland, Louis Spohr, Domenico Cimarosa u.a.

Portraits – The Clarinet Album (Klarinettenkonzerte)

Andreas Ottensamer, Yannick Nézet-Séguin, Rotterdamer Philharmoniker

DG/Universal 002894810131
(57 Min., 6/2012)

Vater Ernst ist Solo-Klarinettist bei den Wiener Philharmonikern und auch Bruder Daniel. Und wenn die Donau-Musikanten noch so einen dritten Posten zu vergeben hätten, wäre dieser wohl ebenfalls von Andreas Ottensamer in Beschlag genommen worden. So aber blieb ihm nichts anderes übrig, als bei der Konkurrenz in Berlin anzuheuern: Seit 2011 ist der Jüngste aus dem Ottensamer-Clan Solo-Klarinettist bei den dortigen Philharmonikern. Gerade einmal 22 Jahre alt war er bei der Amtsübernahme. Und nimmt man nun Ottensamers Debüt-CD hinzu, bleibt ihm in seiner Entwicklung eigentlich nicht mehr viel Luft nach oben. Denn es kommt einem großen Wunder gleich, was Ottensamer schon jetzt an der Klarinette alles kann. Makellos tonschön strömt es bei ihm aus seinem Instrument heraus. Sentimentale Ohrwürmer wie Debussys „La fille aux cheveux de lin“ verwandelt er in erhabene Oden ohne Kitsch-Gefahr. Und selbst im angejazzten Fach, ob bei einem Gershwin-Prelude oder bei Coplands Klarinettenkonzert, gibt er sich nicht etwa gestelzt lässig, sondern knackig frech.
Auf „Portraits“ hat Ottensamer sein Album getauft. Und so bunt die Programmauswahl ausgefallen ist, so stilsicher bewegt er sich gemeinsam mit dem exzellent aufgelegten Yannick Nézet-Séguin und dessen Rotterdam Philharmonic Orchestra durch die verschiedensten Epochen und Arrangements. Romantisch schlicht und aufrichtig zugleich geht es in Louis Spohrs 1. Klarinettenkonzert zu. Und in Cimarosas Klarinettenkonzert, das aus vier bearbeiteten Klaviersonaten besteht, bietet Ottensamers warme und dunkle Klarinettenstimme Belcanto in Reinkultur. All das sollten daher ausreichend Gründe für die Berliner Philharmoniker sein, dieses Juwel längerfristig an sich binden. Nicht, dass der begeisterte Hobby-Kicker irgendwann doch von den Wienern abgeworben wird.

Guido Fischer, 08.06.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top