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György Ligeti, Dominik Susteck

Volumina, Zwei Etüden, Musica ricercata, Sprachsignale

Dominik Susteck

Wergo/New Arts International WER 6757 2
(78 Min., 8/2012)

Seit die Kölner Kirche Kunst-Station St. Peter eine Neue Musik-Orgel besitzt, wird sie von ihren Hausorganisten ständig unter Starkstrom gesetzt. Seit 2007 ist Dominik Susteck hier in Amt und Würden. Und bereits auf seinen ersten Einspielungen verwandelte er mit Stücken von Wolfgang Rihm und Karlheinz Stockhausen das Instrument in ein wildes Tier, das faucht, schnauft, dröhnt und wahnwitzige Farbakkorde spuckt. Nun hat sich Susteck das Orgelschaffen György Ligetis vorgeknöpft, das gleichfalls so überschaubar ausgefallen ist wie das seiner beiden Komponistenkollegen. Doch besonders mit einem Werk sollte der Ungar das Tor zur Neuen Orgelmusik nicht aufstoßen, nein: aufsprengen. 1962 knüpfte er mit „Volumina“ an das orchestral verdichtete Klanggewebe von „Atmosphères“ an, mit dem er Jahr zuvor in Donaueschingen einen Sensationserfolg gefeiert hatte. Und mit dem 1966 revidierten Orgelstück brach Ligeti nun erneut mit dem Primat einer durchrationalisierten Verflechtung von Rhythmus und Harmonik.
Dämonische Tonwolken stehen in der Luft, lösen sich in oszillierende Wellen auf und ballen sich wieder so geheimnisvoll zusammen, als ob hier jemand seine Richtmikrofone ins Universum gehalten hätte. Dominik Susteck setzt denn auch „Volumina“ spektakulär mit der Urgewalt des „Big Bang“ um. Und während er dafür sogar mit seinen Unterarmen die gesamte Tastatur bearbeitet, parkt er in „Harmonies“ aus Ligetis „Zwei Etüden“ stoisch seine zehn Finger auf zehn Tasten und sorgt nur durch minimalste Veränderungen für ein dämonisches Klangfarben-Kontinuum. In seine Einzelteile zerlegt Susteck dieses Kontinuum danach in seinem dreisätzigen Werk „Sprachsignale“, bei dem er das schier unendliche Spektrum seiner Orgel inszenieren kann, das von Tosen über Schlingern bis Gezische reicht. Und warum Ligeti ein großer Fan der Drehorgel war, kann man ganz zu Beginn erahnen: Susteck hat Ligetis frühen Klavierzyklus „Musica ricercata“ für Orgel eingerichtet und bringt ihn mit motorischem Schwung und bizarren Effekten auf Hochtouren, als würde er nicht unter einer Kirchen-, sondern einer Zirkuskuppel sitzen.

Guido Fischer, 15.06.2013



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