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Smash

Patricia Barber

Concord/Universal 7233676
(55 Min.)

Mit „Smash“ legt Patricia Barber gewissermaßen das Gegenstück zu ihrer letzten Aufnahme bei einem Major-Label, dem 2008 bei Blue Note erschienenen „The Cole Porter Mix“, vor. Widmete sie sich damals den Stücken des amerikanischen Songbook-Meisters, so befinden sich auf dem neuen Album ausschließlich eigene Lieder der Pianistin.
Textlich kann Barber Cole Porter locker das Wasser reichen, was nicht wenig ist. Man höre nur, wie virtuos sie in „Redshift“ Bilder und Begriffe aus dem Reich der Physik und der Astronomie mit den Anziehungskräften menschlicher Körper und Seelen kurzschließt, wie sie mit streng abgezählten Silben „The Swim“ in ein fast klassizistisches Poem verwandelt. Aber auch inhaltlich hat Barber viel zu bieten. In „Devil's Food“ verleiht sie mit der mokanten Aufzählung von Geschlechterklischees ihrem Unmut über die Proteste gegen die Homo-Ehe Ausdruck, in „Scream“, das wie eine düstere Replik auf Charlie Chaplins „Smile“ wirkt, treiben Investmentbanker und Soldaten ihr Unwesen. Der lang angehaltene Sirenenseufzer am Ende des Stückes ist die stimmlich expressivste Stelle des Albums.
Barbers Musik steht nämlich im schroffen Gegensatz zu ihrer sensiblen Lyrik. Selbst, wenn die Pianistin mitunter Bossa-Versatzstücke als Grundierung für ihre Texte wählt, bleiben die Sängerin und ihre Melodielinien kühl. Sicher, es gibt immer wieder Überraschungen in Barbers Singer/Songwriter-Kammerjazz – etwa das eruptiv ausbrechende Pink-Floyd-Solo von Gitarrist John Kregor, das zwischen Gershwin und Monk oszillierende Instrumental „Bashful“ oder die irritierende Disco-Persiflage im Mittelteil von „Devil's Food“. Aber alles in allem schlägt die Dichterin Barber die Komponistin Barber auf „Smash“ um Längen. Davon können andere Jazzsängerinnen freilich nur träumen.

Josef Engels, 22.06.2013



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