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Dudley Buck, Charles Ives, George Gershwin, Horatio Parker u.a.

Variations On America ‒ Orgelwerke

Rudolf Innig

MDG/New Arts International MDG 917 1809
(70 Min., 10/2012) SACD

Auch rund um die Orgel haben sich die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten erwiesen. In Philadelphia ist immer noch die weltgrößte Orgel aktiv. Und bis zum Jahr 2640 erklingt in Halberstadt mit „Organ2/ASLSP“ des Amerikaners John Cage das wohl auf Ewigkeit längste Orgelwerk der Welt. „As slow(ly) and soft(ly) as possible” lautet schließlich die Spielanweisung. Als Mann solcher Extreme erwies sich aber auch Charles Ives schon mit 17 Jahren. Mit „As fast as the pedals can go“ hatte er 1891 den Schlussabschnitt seiner Orgel-Variationen über „God Bless America“ überschrieben. Und um jegliches patriotisches Pathos endgültig in den Wind zu schlagen, ließ Ives seine Hymnen-Dekonstruktion im dämonischen Raunen kulminieren. An diesem kantigen Orgel-Original kam Rudolf Innig jetzt nicht vorbei, als er für sein rein amerikanisch bestücktes Recital nach Methuen / Massachusetts aufbrach, um dort ein historisches Instrument aus deutschen Orgelbauhänden zu bespielen. Die 1863 gebaute Walcker-Orgel hatte zunächst ihren Platz in der Boston Music Hall, bevor sie 1909 in den Konzertsaal von Methuen umziehen musste und später noch einmal umgebaut wurde.
Für sein Programm hat Innig auch allseits beliebte Transkriptionen von Opern-Hits wie Rossinis „Wilhelm Tell“-Ouvertüre und Wagners „Feuerzauber“ aus der „Walküre“ ausgewählt. Und die stammen wie auch eine „Revery“ ausschließlich von Amerikanern, die sich ihren musikalischen Feinschliff in Deutschland und Frankreich geholt haben. Dudley Buck, Horatio Parker und James H. Rogers setzten daher auch weniger auf spektakulären Tastenbühnenzauber als vielmehr auf spätromantisches Lodern und Dahindämmern. Von der Papierform her mag dieses Repertoire einen anderen Blick auf die amerikanische Orgeltradition geben. Auf Dauer aber wirkt der Spagat zwischen Kunst und Trivialem leicht träge. Das gilt nicht nur für Bucks „Star-spangled Banner“-Variationen, sondern erst recht für seine ausufernd mäandernde „Wilhelm Tell“-Phantasie. Da kam der englische und in den USA zum Star gewordene Kollege Edwin Lamare mit seiner Rossini-Fassung wesentlich pointierter zur Sache. Und auch Innigs Transkription von George Gershwins „Rhapsody In Blue“ fehlt bei aller beeindrucken Klangfarbenflut das, was man gemeinhin als „Feeling“ bezeichnet.

Guido Fischer, 22.06.2013



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