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Double Trouble

Peter Ehwald

Jazzwerkstatt/Naxos JW133
(47 Min., 6/2011)

Es ist eine eigenwillige Quartett-Besetzung, die sich der Berliner Saxofonist Peter Ehwald da für sein zweites Album unter eigenem Namen zusammengestellt hat: Der 34-Jährige verzichtet komplett auf Akkordinstrumente und lässt sich stattdessen von dem Schlagzeuger Jonas Burgwinkel sowie den beiden Bassisten Robert Landfermann und Andreas Lang begleiten.
Dass zwei Tieftöner nicht zwangsläufig doppelten Ärger bedeuten, zeigt das titelgebende „Double Trouble“ eindrücklich: Die beiden Bässe ergänzen sich bei dem Stück wunderbar, sie teilen sich Melodie- und Begleitungsaufgaben, während Drummer Burgwinkel mit seinem enorm sparsamen Schlagzeugspiel, das sich oftmals nur auf schnarrende Sticks reduziert, dem Bandleader am Tenorsaxofon alle Freiheiten gibt. Das erinnert dann vom Konzept und von der Eindringlichkeit her an Joshua Redmans Doppelquartett-Einspielung „Compass“. An manchen Stellen des Albums, etwa bei der Nummer „Glory“, stellt sich zuweilen sogar der Eindruck ein, dass hier ein Musiker gleichzeitig zwei Bässe spielt.
Mit einem derart organisch agierenden Rhythmus-Trio im Rücken kann auch der Saxofonist in verschiedenste Rollen schlüpfen. In dem CD-Opener „In Gent“ übernimmt Ehwald mit seinen die Bässe umschwirrenden Tenorsax-Arpeggien die Funktion eines Gitarristen, bei „Speed Dating“ agiert er so, als habe Peter Brötzmann höchstpersönlich von ihm Besitz ergriffen, die Stücke „Lehrseitenballade“ und „Bass Ticket“ schließlich zeigen ihn als Klangexperimentator, dessen Sopransaxofon mit den gestrichenen Kontrabässen um die Wette quietscht.
Von wegen Double Trouble: Dieses Quartett sorgt für anregenden vierfachen Spaß im angenehm ideologiefrei beackerten Grenzbereich zwischen Postbop, Avantgarde und Punkjazz.

Josef Engels, 29.06.2013



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