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Johann Sebastian Bach

Sonaten für Viola da Gamba, Präludien und Fugen

Vittorio Ghielmi, Lorenzo Ghielmi

Passacaille/Note 1 PAS976
(55 Min., 3/2011)

Dass Johann Sebastian Bach in den 1740er Jahren mehrfach mit den damals ganz neuartigen Klavierinstrumenten Gottfried Silbermanns, genannt „Fortepiano“, in Berührung kam, ist bewiesen. Dass er beim Komponieren fürs Tasteninstrument in seinen letzten Lebensjahren auch die revolutionären Möglichkeiten dieser Instrumente – vor allem die dynamische Modulationsfähigkeit jedes Tons bei jedem Anschlag – im Hinterkopf hatte, ist nicht ausgeschlossen. Die Gebrüder Ghielmi wählten für ihr diesbezügliches Experiment Werke aus, mit denen Bach sich in jener Zeit beschäftigt hat: die Gambensonaten BWV 1027 - 1029 und zwei Präludien und Fugen aus dem zweiten Teil des „Wohltemperierten Klaviers“.
Lorenzo Ghielmi demonstriert mit zwei Präludium-Fuge-Paaren des WK II, was mit Silbermanns Novität möglich wurde: In der c-Moll-Fuge BWV 871 hören wir etwa die Hervorhebung des Themas im Satz auch mit dynamischen Mitteln oder die gleichfalls u.a. dynamisch geförderte hervorragende Durchhörbarkeit von Thema und gleichzeitig erklingender Augmentation desselben. In der G-Dur-Fuge aus BWV 884 dagegen präsentiert er eine Kuriosität des Instruments, eine Art „Hackbrett-Register“.
Beide Ghielmis beweisen in den Gambensonaten BWV 1027 und 1028, wie auch das Streichinstrument dynamisch deutlich abwechslungsreicher agieren kann, wenn das Klavier in diesem Bereich ein Ausdrucksspektrum hat. Gelegentlich könnte man auf den Gedanken kommen, dass Vittorio Ghielmi seine „messa di voce“, das „Vor und Zurück“ in Sachen Lautstärke aus Begeisterung ein wenig übertreibt – die eine oder andere Linie könnte man sich ein wenig stringenter verfolgt vorstellen. Im Großen und Ganzen aber darf man von einem gelungenen interpretatorischen Experiment sprechen, mit dem der Musik im Erklingen durchaus neue Aspekte abgewonnen werden. Und übrigens: Um dem Hörer den direkten Vergleich zu ermöglichen, wird die dritte der Gambensonaten und das Präludium-Fuge-Paar c-Moll aus dem WK I auf dem Cembalo musiziert angeboten.

Michael Wersin, 13.07.2013



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