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The Sleep Of Reason – Ode To Goya

Arne Jansen

ACT/Edel 1095392ACT
(51 Min.)

Ein größerer Kontrast zwischen den alptraumhaften Bildern Francisco Goyas und dem ersten Stück auf Arne Jansens CD ist zunächst kaum denkbar. „Still Learning“ beginnt mit einer weichen Gitarrenlinie voller Sustain, die von Andreas Edelmanns Bass und Eric Schaefers mit dem Besen gestreichelten Schlagzeug begleitet wird; später tritt noch Stephan Brauns Cello hinzu.
Es klingt ein wenig wie Bill Frisells Bacharach-Bearbeitungen auf der Einspielung „The Sweetest Punch“, also ungemein freundlich und herzerfrischend simpel. Von den Monstern, die der „Sleep Of Reason“ bei Goya gebiert, ahnt man da kaum etwas. Aber sie tauchen im Verlauf der dritten CD des Berliner Gitarristen schon zuweilen auf: beispielsweise im an AC/DC und Metallica gemahnenden „Pilgrimage“, in dem Allan-Holdsworth-Fingerzeig „Tauromaquia” oder im verhallten Indie-Rock-Gruselstück “The Great He-Goat”.
Man tut dennoch gut daran, die Verbindungen zwischen Jansen und dem von ihm verehrten Spanier nicht in der Expressivität und dem Verstörenden zu suchen. Die Vergleichspunkte liegen vielmehr in der gemeinsamen Kunstdisziplin. Jansen ist in erster Linie ein Tonmaler, der die Farbigkeit seiner klar konturierten Figuren mit dem Effektgerät variiert. Dem Gitarristen geht es dabei nicht um jazztypische Genrebilder. Da wird das typische Delay-Flimmern vom U2-Gitarristen The Edge genauso zitiert wie der Lagerfeuer-Minimalismus eines Mark Knopfler. Nicht umsonst verbeugt sich Jansen vor den beiden mit ausgesprochen feinsinnigen Coverversionen ihrer Stücke „Love Is Blindness“ und „Brothers In Arms“. U2, Dire Straits und Goya – wer hätte gedacht, dass der Schlaf der Vernunft so etwas auf einer CD zusammenbringt?

Josef Engels, 03.08.2013



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