Das mit Blue Notes, maschinenhafter Rasanz und grotesken Pointen gespickte Klavierkonzert von Maurice Ravel ist unter Pianisten ein beliebter Abenteuerspielplatz, auf dem man sich nach Herzenslust austoben kann. Und genau das macht Florian Uhlig zum Schluss seiner Einspielung von gleich vier französischen Klavierkonzerten aus der klassischen Moderne. Den Eröffnungssatz geht er mit blitzender Akkuratesse und perkussiver Schlagkraft an. Und im Finale legt er mit jugendlicher Bravourpranke los, ohne dabei die verlockenden Duftstoffe dieser Musik zu unterschlagen. Nun muss man es erst einmal schaffen, diesen facettenreichen Konzertklassiker mit einer solchen Leichtigkeit und Reaktionsschnelligkeit in den Griff zu bekommen. Florian Uhlig gelingt darüber hinaus aber noch einiges mehr. Denn die Werke für Klavier und Orchester von Claude Debussy, Jean Françaix und Francis Poulenc behandelt er nicht als Raritäten, sondern trotz ihres unterschiedlichen Gewichts als genauso hörenswerte Zeugnisse aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bis heute steht Debussys Fantasie merkwürdigerweise immer noch weit im Schatten seiner Orchesterwerke und erst recht von Ravels Klavierkonzert. Dabei besitzt das 1920 (immerhin von Alfred Cortot) uraufgeführte, dreiteilige Werk alles, was auch des Genießers Herz begehrt. Delikates und bis ins nocturnehaft sanfte Kolorit wechselt sich da mit strahlendem Schwung ab.
Für Florian Uhlig ist es unüberhörbar ideales Terrain, um die Fantasie gemeinsam mit der exquisit eingestellten Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern (hoffentlich) endgültig dem Vergessen zu entreißen. Ähnliche Glanztaten darf man Uhlig aber auch bei den Klavierkonzerten von Françaix und vor allem von Poulenc attestieren. Denn gerade bei Poulenc beweist Uhlig ein verführerisches Fingerspitzengefühl für genau jenes nostalgische Flair, das später in der französischen Traumfabrik, bei François Truffaut und Claude Sautet, zum musikalischen Markenzeichen werden sollte.

Guido Fischer, 03.08.2013



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