Geht es nach der CD-Aufmachung, scheinen endgültig alle Zweifel weggewischt: Giovanni Battista Pergolesi hat das Oratorium „Die sieben Worte Christi am Kreuz“ komponiert! Und auch für Dirigent René Jacobs steht die Autorschaft fest, wie er im Booklettext ausführlich begründet. Trotzdem bleibt weiterhin ein kleines Fragezeichen, wie selbst der Musikwissenschaftler Reinhard Fehling in seinem Kommentar zugeben muss. Wenngleich er 2009 auf eine neue Spur dieses schon fast sagenumwobenen, vielleicht zwischen 1730 und 1736 geschriebenen Werks gestoßen ist, spricht eher die Indizienlage als vielmehr ein handfester Beweis für Pergolesi.
Sieht man aber einmal von den Spekulationen ab, die wohl noch lange von zahlreichen Abschriften befeuert werden, muss man anlässlich von Jacobs´ Einspielung dem legendären, enzyklopädisch umtriebigen Dirigenten Hermann Scherchen in seiner Einschätzung Recht geben. Immerhin hatte er diesem aus sieben Kantaten bestehenden Werk schon vor einem halben Jahrhundert „Sanftmut, tiefstes Empfinden und [ein] alles überstrahlendes Schönheitsgefühl“ attestiert.
Die je aus zwei Arien bestehenden Kantaten, die einen Dialog zwischen Jesus und der gläubigen Seele „Anima“ widerspiegeln, sind dank ihrer ariosen Lyrik, ihren durchschimmernden opernhaften Elementen sowie dramatischen Binnenspannungen jeweils ein kleines Meisterwerk. Und für den finalen Ritterschlag sorgt neben Jacobs und der Akademie für Alte Musik Berlin ein Solisten-Quartett, das besonders von Tenor Julien Behr und Bassist Konstantin Wolff angeführt wird.

Guido Fischer, 17.08.2013



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