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Keep A Safe Distance From Elephants

Tristan Loriaut

Enja/Soulfood ENJ9595
(45 Min., 11/2012)

Ein Aufenthalt in Togo prägte Tristan Loriaut maßgeblich. So schreibt es der junge französische Gitarrist in dem Booklet seines Debüt-Albums, das beim Münchner Enja-Label erschienen ist.
Es ist offenbar nicht nur der Rat, sich von Elefanten fernzuhalten, den sich Loriaut zu Herzen genommen hat. Auch die komplexen und dabei so federleicht wirkenden Rhythmen Afrikas haben ihre Spuren in den Kompositionen auf „Keep A Safe Distance From Elephants” hinterlassen. Etwa in “Bonne arrivée”, wo ein dem majestätischen Wiegeschritt einer Dickhäuter-Herde nachempfundener 7/8-Takt die Grundlage für ein freundschaftlich-hitziges Solo-Gefecht zwischen Altsaxofonist Gaël Horellou und Posaunist Sébastien Llado liefert.
Letzterer hat im Verlauf der Aufnahme auch noch mal einen großen Auftritt an einem ungewöhnlichen Instrument. Wie Steve Turre bläst Llado im Stück „Agbalepedo & Princesse Koumba” auf einer Meeresmuschel virtuose folkloristische Linien. Ohnehin hat Loriaut für seinen Plattenerstling einige Talente verpflichtet, die seine in die verschiedensten Richtungen gehenden Ideen wunderbar kanalisieren.
Der Pianist Pierre De Bethmann liefert im windschief swingenden “Blues For A Little White Chocolate Dragonfly” ein adäquates Solo ab, ein Streicher-Trio grundiert Loriauts flüssiges und reifes Spiel an Akustik- und Archtop-Gitarre an mehreren Stellen mit ravelesken Farben, US-Gaststar Ari Hoenig setzt mit seinem originellen, doch immer sachdienlichen Spiel pointiert Akzente. Bestes Beispiel ist sein perkussives Intro im Sonny-Rollins-Klassiker “Airegin”. Vor den Elefanten des Jazz muss sich Tristan Loriaut nach diesem vielschichtigen Debüt jedenfalls nicht fürchten.

Josef Engels, 17.08.2013



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