Responsive image
Franz Schubert

Vier Impromptus D 899, Klaviersonate B-Dur D 960

Rudolf Buchbinder

Sony 88883717422
(71 Min., 9/2012)

Er ist der am deutlichsten unter Wert gehandelte unter den wirklich großen Pianisten. Und daran tragen die Medien einen nicht unwesentlichen Anteil. Als zu Rudolf Buchbinders 65. Geburtstag 2011 seine live mitgeschnittene zweite Gesamteinspielung der Beethoven-Klaviersonaten veröffentlicht wurde (ein Juwel!), hatte sie es schwer, die verdiente Aufmerksamkeit zu bekommen. Buchbinder gibt halt – scheinbar – nicht so viel her, hat so gar nichts Spektakuläres und Aufsehenerregendes zu bieten. Außer sein großartiges, überragendes Klavierspiel, das er auch auf seiner neuen Schubert-CD demonstriert.
Buchbinders Gestaltungskraft verbindet die Impromptus in ihrem musikalischen Gehalt überzeugend mit der ein Jahr später entstandenen letzten Klaviersonate. Gleich mit dem ersten Impromptu stellt er die Weichen. Das Stück scheint seine Gangart nicht so recht finden zu können, tastet sich zaghaft vor, zieht beherzt an, hält inne, zögert, schreitet kraftvoll weiter, ganz so, als wäre es unsicher, wohin der Weg führen soll. Auch die anderen Impromptus fließen nicht einfach nur poetisch oder verspielt dahin, sie erhalten mehr Gewicht als üblich, ohne deshalb beschwert zu werden, und scheinen die Sonate vorzubereiten. Frei im Tempo, mit faszinierenden, erhellenden Rückungen und Verzögerungen scheut Buchbinder bei allem Farbenreichtum auch harte, energische Töne nicht. Sein Spiel verbindet Geradlinigkeit mit Raffinesse, seine Romantik hat so gar nichts Verträumtes oder Wehmütiges, kommt vielmehr klar und existentiell daher. Unbedingt hörenswert – wie eigentlich alles von Buchbinder.

Michael Blümke, 24.08.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top