Bernhard Romberg

Sonaten für Hammerklavier und Violoncello op. 5

Davit Melkonyan, Mikayel Balyan

dhm/Sony 88883722872
(74 Min., 9/2012)

 

Andreas Romberg, Bernhard Romberg

Ouvertüre zu „Don Mendoza“ op. 36, Violinkonzert Nr. 3, Konzertouvertüre op. 34, Violoncellokonzert Nr. 2 op. 3, Violinsonate Nr. 3, Divertimento über österreichische Volkslieder op. 46

Yury Revich, Lionel Cottet, Luca Bizzozero, Hofer Symphoniker

Sony 88765472352
(84 Min., 10/2012 & 1/2013) 2 CDs

 

Meist müssen unbekanntere Komponisten brav auf ein Jubiläumsjahr warten, bevor sie aus der Versenkung gezogen werden. Doch die komponierenden Vettern Andreas und Bernhard Romberg haben Glück: Gleich zwei CDs, die noch dazu mit vielversprechenden jungen Künstlern aufgenommen wurden, nehmen sich ohne äußeren Anlass ihrer Werke an. Dass sich die Beschäftigung mit den Rombergs lohnt, hätte schon Ludwig van Beethoven bestätigen können: Er lernte die aus Westfalen stammenden Cousins 1792 in der Bonner Hofkapelle kennen und blieb auch später noch mit ihnen in freundschaftlicher Verbindung.
Wer einen repräsentativen Überblick über das Werk der Rombergs sucht und sich auch für einen Vergleich zwischen beiden Komponisten interessiert, der ist mit dem Album der Hofer Symphoniker gut bedient: Die Vettern, die beide als Virtuosen hervortraten, sind mit jeweils einer Ouvertüre sowie je einem repräsentativen Konzert und einem Kammermusikwerk für ihr Soloinstrument vertreten. Dieses Soloinstrument war im Falle Andreas Rombergs (1767 - 1821) die Geige und im Falle Bernhards (1767 - 1841) das Violoncello. Wir hören effektvolle, auf die Darstellung virtuoser Brillanz bedachte Musik: Von der klassischen Formensprache ausgehend, nähert sie sich in forschen Gesten immer wieder Beethoven an und in den sanglichen Passagen scheint auch die Nähe zum romantischen Belcanto durch. Leider klingen die Hofer Symphoniker bei aller grundsätzlichen Souveränität, mit der sie die unbekannten Stücke angehen, gelegentlich ein wenig holzig. Yury Revich (Violine) und Lionel Cottet (Cello) aber musizieren ihre Parts leidenschaftlich, frisch und technisch gekonnt, wobei Cottet noch etwas stilsicherer wirkt als der tonschön, aber mit allzu großzügigem Vibrato aufspielende Revich.
Sehr viel tiefer in die Welt der Rombergs ist Davit Melkonyan auf seinem Album eingedrungen. Auf historischem Instrumentarium präsentiert er drei Sonaten Bernhard Rombergs, der als Vater der modernen Cellotechnik gilt und als „Paganini seines Instruments“ schon zu Lebzeiten als der bedeutendere der beiden Vettern angesehen wurde. Bereits im sorgsam aufgemachten Beiheft erfährt man dabei, dass sich Rombergs Spieltechnik und Interpretation noch in vielen Details von der modernen Praxis unterschied. Zusammen mit seinem Partner am Fortepiano beweist Melkonyan, wie entscheidend sich diese kleinen Unterschiede gerade bei der Interpretation von Rombergs eigener Musik auswirken: Das Vibrato wird äußerst sparsam eingesetzt, stattdessen beleben delikate Schleifer, feine Temponuancierungen und zarte dynamische Schattierungen den Vortrag. Cello und Hammerklavier sind dabei überraschend gleichberechtigte Partner: Immer wieder wechselt sich virtuoses Figurenwerk des Cellos mit geschmackvoll ausgehaltenen, bukolischen Liegetönen ab, wobei Melkonyan und Balyan den Rollenwechsel so elegant und einfühlsam vollziehen, dass ihr Zusammenspiel zu einem beglückenden Beispiel gleichberechtigter, aufmerksamer Konversation wird.

Carsten Niemann, 24.08.2013




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