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Be My Monster Love

David Murray

Motéma/Membran 233724
(56 Min., 2012)

Wie kaum ein anderer Saxofonist seiner Generation kann David Murray mal Avantgarde-Monster, mal traditionsverspielte Schnurrkatze sein. „Be My Monster Love“, die erste Aufnahme des 58-Jährigen mit seinem neuen Infinity Quartet, macht das mal wieder sehr anschaulich deutlich. Wenn sich Murray einmal in Rage gespielt hat, gibt es kaum noch ein Halten. Etwa in der furiosen Bop-Nummer „Stressology“, in der der Saxofonist bei seinem Solo derartig die Töne presst, quetscht und zerreibt, dass sich Coltranes Sheets of Sound dagegen ausnehmen wie frisch gestärkte Bettlaken.
Doch der Tenorist hat auch eine sanfte, liebenswürdige Seite. Die äußert sich vor allem in den Kompositionen und in der Auswahl der Mitmusiker. Anrührend ist es, wie beispielsweise Pianist Marc Cary sein leicht verstimmtes Instrument in der Ballade „Sorrow Song“ zum Klingen bringt; erhebend auch, wenn der bei drei Stücken auf dem Album vertretene Sänger Gregory Porter in dem orgelgetränkten Souljazz-Gospel-Hybrid „Army Of The Faithful“ die Musiker als Seelenretter der Welt hochleben lässt.
Vom Himmel ist es bei Murray ein kurzer Weg in die Hölle: Das zeigt der Titelsong, für den Murray einen veritablen Popstar verpflichten konnte. Platinplatten-Inhaberin Macy Gray singt da über eine ziemlich kranke Liebesgeschichte mit einem Werwolf. Wenn sich zum Schluss Grays krächzende Stimme und Murrays kreischendes Saxofon vereinigen, merkt man: Da haben sich zwei Eigenbrötler gefunden. Nicht nur dieses reizvolle Wechselspiel aus Locken und Verschrecken macht aus „Be My Monster Love“ eine der zugänglichsten CDs im nicht gerade kleinen Œuvre David Murrays.

Josef Engels, 24.08.2013



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