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Johann Sebastian Bach

Lautenwerke

Joachim Held

Hänssler Classic/Naxos 98.649
(59 Min., 1/2013)

2012 veranstaltete Joachim Held in seiner Funktion als Lauten-Professor an der Bremer Hochschule für Künste das 1. Lautensymposium. Und in den drei Tagen brütete man über eine Frage, die die Musikwelt zwar nicht in Atem hält, aber dafür die Lautengemeinde schon lange beschäftigt. Wie viele Werke hat denn Johann Sebastian Bach nun explizit für dieses Instrument geschrieben? Offiziell werden sieben Kompositionen Bach zugeschrieben. Und obwohl sie sich auch in Gitarrenfassungen großer Beliebtheit erfreuen, hat man immer noch nicht den Stein des Weisen gefunden. Joachim Held jedenfalls ist nach reiflicher Analyse auch der spieltechnischen Anlage der Werke zur Überzeugung gekommen, dass einzig die Suiten BWV 995 & 1006a sowie Präludium, Fuge und Allegro BWV 998 als Originallautenwerke gelten können. Diese Meinung hat er nun auch in seinem Booklettext zur Einspielung unterstrichen, die kurz nach dem Gedankenaustausch mit seinen Kollegen entstanden ist. So schreibt er in seinem Résumé: „Hinsichtlich dieser drei Werke […] ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie tatsächlich für die Laute entstanden.“ Trotz der Gewissheit, die aus dem Album-Titel „Die originalen Lautenwerke von J. S. Bach“ spricht, scheint da dennoch ein Restzweifel zu bestehen, mit dem sich wohl weitere Symposien den Kopf zerbrechen müssen.
Unlängst hat Helds Lehrer Hopkinson Smith seine Gesamteinspielung der für Laute bearbeiteten Cello-Suiten von Bach komplettiert. Und hat man noch dessen klangliche Variabilität bei gleichzeitiger Gedankentiefe im Ohr, übertrumpft Held seinen alten Herrn und Meister dann doch noch mal. Die gesamte farbliche und dynamische Palette kommt bei ihm mit einer makellosen Leichtigkeit daher. Sein Instrument kann sich in seinen Händen in einen großen, atmenden Körper verwandeln und zwischendurch mit Charme und Delikatesse dahin tänzeln. Und auf die einfühlsame Milde lässt Held konturenreiche Taghelligkeit selbst im Kontrapunktischen folgen. Nun könnte man die Aufnahme als stärkstes Argument für Helds Thesen begreifen. Doch deswegen wird er sich (hoffentlich bald) nicht weniger engagiert für die „unechten“ Bach-Werke einsetzen.

Guido Fischer, 31.08.2013



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