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Giovanni Pierluigi da Palestrina, Claudio Monteverdi

Cantica Salomonis, Messa a quattro voci da capella

Il Canto

Dux/Note 1 DUX0910
(56 Min., 8/2009 & 6/2012)

Giovanni Pierluigi da Palestrina veröffentlichte seine motettischen fünfstimmigen Vertonungen von Hohelied-Texten im Jahre 1584 als „Motettorum Liber quartus“. Seine Version der jahrhundertelang von Komponisten geliebten und entsprechend häufig frequentierten Bibelverse (darunter „Nigra sum“, Surge, amica mea“ oder „Vulnerasti cor meum“) zeichnet sich aus durch die gewohnte stupende satztechnische Makellosigkeit bei gleichzeitiger leichter Kühle auf Ausdrucksebene: Vergleicht man etwa Palestrinas „Osculetur me“ mit der Vertonung seines Zeitgenossen Orlando di Lasso, dann entdeckt man bei letzterem hinter der schieren Schönheit der Musik noch eine textgenerierte Laszivität, die bis in die Gestik der musikalischen Motive hineinreicht und in dieser Unmittelbarkeit bei Palestrina nicht zu finden ist.
Die interpretatorische Umsetzung von blitzblanker Schönheit in der Struktur komplexer vokalpolyphoner Musik ist zweifellos eine Herausforderung: Perfekte Beherrschung des eigenen Stimmmaterials ist von jedem Sänger gefordert. Technische Mängel können nicht durch Ausdrucksgesten überspielt werden wie beispielsweise im Operngesang, sondern jeder Sänger muss bis in die äußersten Randbereiche der ihm zugewiesenen Stimmlage gleichbleibend makellose Töne produzieren können – Expressivität kann hier nicht der Einzelne erzeugen, sondern die Stimmen des Ensembles müssen funktionieren wie ein einziger Klang-Körper.
Die Intention, einen solchen interpretatorischen Habitus zu pflegen, merkt man den fünf Kräften des Ensembles „Il Canto“ durchweg an, aber von einer gelungenen Umsetzung kann dennoch nicht berichtet werden: Allzu viel geht schief, wenn etwa der erste Tenor in der hohen Lage plötzlich halsig-rau klingt oder gar ins Falsett hüpft. Insgesamt bleibt auch eine durchgehend saubere Intonation, wie sie für diese Musik unabdingbar ist, leider ein unerfülltes Desiderat: Immer wieder misslingen in dieser Hinsicht selbst überschaubare homophone Passagen, immer wieder können kadenzielle Verläufe ihre Schönheit nicht entfalten, weil die Dreiklänge intonatorisch nicht „einrasten“. Ein beherzter und engagierter Versuch also, der aber mit den gelungenen Einspielungen dieser Stücke nicht mithalten kann.

Michael Wersin, 31.08.2013



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