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Luca Marenzio

Primo libro di madrigali

La Compagnia del Madrigale

Glossa/Note 1 GCD 922802
(67 Min., 9/2010 & 8/2011)

Die Gattung Madrigal war um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert eine faszinierende poetisch-musikalische Hexenküche. Man experimentierte auf der Basis affektgetränkter, hochexpressiver Gedichte mit musikalischen Mitteln, die in der von den Theoretikern der Zeit strenger „bewachten“ Kirchenmusik nicht denkbar gewesen wären. Ein Paradigmenwechsel bereitete sich vor: Die bisweilen zur Sterilität tendierende Makellosigkeit des musikalischen Satzes sollte aufgeweicht werden zugunsten einer authentischeren musikalischen Umsetzung der im Text reichlich ausgebreiteten Emotionen; dem Ausnahmezustand des Gemüts sollte mit einem ebensolchen auf der Ebene der musikalischen Struktur entsprochen werden.
Freilich: Luca Marenzio ließ 1580 in seinem „Primo libro“ noch nicht einmal erahnen, was Gesualdo in puncto bewusst gesetzte „Satzfehler“ zwanzig, dreißig Jahre später skandalöser Weise (und als Adliger ganz ohne Rücksicht auf seine Musiker-Reputation) wagen sollte. Aber die nervöse Erregtheit, ja bisweilen die Sprunghaftigkeit der Musik überträgt sich auch hier schon direkt auf den Hörer.
Die erfahrenen italienischen Sänger der „Compagnia del Madrigale“ bringen es als „native speaker“ allerdings auch zu einer Unmittelbarkeit, die ihresgleichen sucht. Nicht immer und allerorten bewegt sich die Intonation auf allerhöchstem Niveau (diesbezüglich haben wir von der Gruppe „La Venexiana“, die mit zwei ihrer Sänger übrigens auch in diesem Ensemble vertreten ist, schon Perfekteres gehört). Aber diese kleineren Mängel fallen nicht allzu sehr ins Gewicht, denn die Atmosphäre stimmt einfach in dieser Aufnahme: In höchster Konzentration erleben wir ein Mit- und Ineinander von Wort und Musik, das uns heute (schon wieder) ebenso revolutionär erscheinen könnte wie seinerzeit.

Michael Wersin, 14.09.2013



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