Responsive image
Johann Sebastian Bach

Messe h-Moll

Václav Luks, Collegium 1704, Collegium Vocale 1704

Accent/Note 1 ACC 24283
(101 Min., 1/2013) 2 CDs

Die Vorgeschichte einer guten Aufnahme von einem spektakulär komplexen Werk wie der h-Moll-Messe beginnt am Schreibtisch des Dirigenten – und zwar nicht allein mit dem Studium der Partitur, sondern mit der Zusammenstellung einer homogenen, im Niveau weitestmöglich hochqualifizierten Besetzung. In dieser Hinsicht ist Václav Luks ein Coup gelungen: Mit Solisten wie der famos vitalen Mezzosopranistin Sophie Harmsen, dem ungemein wohltimbrierten und technisch faszinierend sicheren Tenor Eric Stoklossa oder der nicht minder perfekten Sopranistin Hana Blažikova lässt sich eine mitreißende h-Moll-Messe einspielen, bei der das Solistenensemble hier und da übrigens auch mal allein den Anfang eines Chorsatzes übernimmt (ähnlich wie das Andrew Parrott einst in seiner Einrichtung des Stücks angeordnet hat). Für das Tutti kommen dann weniger als zwanzig erfahrene Ensemblesänger hinzu. Diesen ebenso kraftvoll-strahlend wie flexibel agierenden Chor kann Luks spielend durch die waghalsigen Koloraturpassagen der Partitur manövrieren und kann sich ein „Sanctus“ in niemals zuvor gehörter Geschwindigkeit erlauben, dessen Triolen freilich nicht mehr gemächlich-würdevollen Engels- sondern eher eifrigen Taubenflügelschlag assoziieren lässt. Ungewohnt schnell geht Luks außer dem „Sanctus“ auch die Stile-Antico-Sätze des Stücks (u.a. das „Kyrie II“) an.
Im Orchester möchte er mit einer echten großen Orgel (statt einer Truhe) als Continuo-Instrument erfreuen. Leider jedoch ist diese Orgel fast durchgehend penetrant laut registriert und wird so statisch gespielt, dass sie spätestens im „Benedictus“, wo sie die tiefe Lage der Traversflöte mit liegenden Akkorden zudeckt, entschieden nervt. Warum führt dieser Continuospieler seinen Part so eintönig aus und beteiligt sich so gut wie überhaupt nicht mit motivischen Einwürfen am polyphonen Geschehen des Satzes? Wie ein zäher Klebestreifen pappt der Orgelklang oft über der ansonsten so erfreulichen Musik – in diesem einen Punkt zumindest geht das Konzept der durchaus bemerkenswerten Einspielung definitiv nicht auf.

Michael Wersin, 21.09.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top