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Live Today

Derrick Hodge

Blue Note/Universal 6828922
(59 Min.)

Der Rapper Common spricht im Titelstück der ersten CD, die Bassist Derrick Hodges unter eigenem Namen veröffentlicht, Programmatisches aus: Wir verbeugen uns vor den Taten der Vorgänger, heißt es da, aber wir leben im Heute und gehen unsere eigenen Wege. Diese Philosophie trifft auf das Debüt des Bassisten von u.a. Robert Glasper oder Terence Blanchard vollkommen zu. Hodges kann am E-Bass seine Prägung durch Jaco Pastorius, Marcus Miller oder Victor Wooten nicht verleugnen. Aber anders als seine Vorgänger stellt er seine Virtuosität nicht ins Schaufenster, sondern nutzt sie wie ein Remixer als ein musikalisches Element unter vielen.
Der 34-Jährige zeigt sich ohnehin stark von der DJ- und HipHop-Kultur beeinflusst. Und damit ist nicht bloß der Einsatz von Turntables gemeint wie im Eröffnungsstück „The Real“, sondern das kennzeichnende strukturelle Element seiner Kompositionen: Die von Drummer Chris Dave mal mitgetragenen, mal (wie in „Anthem In 7“ geradezu nervenzerreißend) zerschredderten Grooves stehen im Vordergrund und nicht irgendwelche ausgefuchsten Melodien. Die Einwürfe seiner Mitstreiter – wie etwa Trompeter Keyon Harrold oder Pianist Aaron Parks – mag man teilweise schon fast gar nicht mehr Soli nennen, so kürzel- und schnipselhaft sind sie.
Wie ein guter DJ zeigt Hodge auch keine Berührungsängste mit den verschiedensten Genres. Singer/Songwriter-Folk mit dem Sänger Alan Hampton („Holding Onto You“) findet sich auf „Live Today“ genauso wie Neo-Soul a la D'Angelo („Gritty Folk“), hymnischer Pop-Rock („Message Of Hope“) oder Balladeskes mit Streichquartett-Beilage („Solitude“). Trotz der gebotenen Vielfalt krankt die Aufnahme jedoch an einer gewissen HipHop-Monotonie. Das Neue sucht noch seinen Weg, um in der Zukunft zu bestehen.

Josef Engels, 28.09.2013



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