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Diverse

Night Sessions

The Dowland Project (John Potter, Stephen Stubbs, John Surman, Maya Homburger, Miloš Valent, Barry Guy)

ECM/Universal 4765968
(73 Min., 9/2001, 1/2006)

1998 lud der langjährige Tenor beim Hilliard Ensemble, John Potter, zum ersten Mal Musikerfreunde aus der Alten Musik, aber auch aus dem Jazz zu einem epochenübergreifenden Spagat ein. Ein Jahr später machte man dem Ensemble-Namen „The Dowland Project“ alle Ehre – mit einer Hommage an den elisabethanischen Komponistenfürsten John Dowland. Seitdem haben sich Potter & Co. auf den beiden nachfolgenden Alben mit allerlei Liedern und Madrigalen aus dem Mittelalter und Barock beschäftigt. Im Rahmen der Aufnahme der CD „Care-charming Sleep“ im Jahr 2001 entstand auch der Großteil jener musikalischen Wanderungen, die man spontan und um Mitternacht in der Propstei St. Gerold antrat. Und glücklicherweise wurden auch diese „Night Sessions“ aufgezeichnet.
Erstaunlich ist zunächst die musikalische Bandbreite, der man sich da traumwandlerisch annahm. Da erklingen uralte portugiesische Pilgerlieder, ein Chanson des Troubadours Bernart de Ventadorn und Improvisationen über einen byzantinischen Cantus. Und zwischendurch streute Lautenist Stephen Stubbs Perlen aus Lautentabulaturen des 16. Jahrhunderts ein. Durch das dahinströmende Melos, das der renommierte Jazzsaxofonist John Surman immer wieder einbringt, erinnern das Klangbild und die Stimmung natürlich sofort an die erfolgreichen Kooperationen zwischen seinem Kollegen Jan Garbarek und eben jenem Hilliard Ensemble, dem Potter angehörte. Doch es ist gerade die facettenreiche, von Alte Musik-Spezialisten bis hin zu englischen Jazzikonen wie Barry Guy reichende Besetzung, die unerwartet vielschichtige und tiefe Klangräume magisch ausgekundschaftet hat. Und so ist auch die neue CD des „Dowland Project“ nicht etwa eines dieser harmlosen Crossover-Unterfangen. Vielmehr verschmelzen hier Vergangenheit und Gegenwart zu einer geradezu symbiotischen Einheit.

Guido Fischer, 28.09.2013



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