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39 Steps

John Abercrombie-Quartet

ECM/Universal 3742710
(59 Min., 4/2013)

Die Umbesetzung im Quartett des Gitarristen John Abercrombie verschafft ECM mit Marc Copland einen Neuzugang, der wie gemacht ist für das Label des verinnerlichten Kammerjazz-Tones. Dass der Pianist mühelos mit Abercrombie harmonisiert (was bei dem ähnlichen Frequenzgang von Klavier und Gitarre keine Selbstverständlichkeit ist), weiß man ja spätestens seit der für Pirouet aufgenommenen Duo-Einspielung der beiden aus dem Jahr 2011.
Welche Bereicherung Copland für Abercrombies Quartet um Drew Gress am Bass und Joey Baron am Schlagzeug darstellt, machen schon die ersten Takte deutlich: Wie sich da aus den repetitiven Singlenotes des Klaviers allmählich eine Songschönheit namens „Vertigo“ entwickelt, in der Abercrombies Linien reizvoll mit dem harmonischen Erfindungsreichtum des Pianisten kontrastieren! Ähnlich wie im Titelstück „39 Steps“ entsteht hier eine perfekte Mischung aus verschiedenen Gitarristen-Welten: Abercrombies an Jim Halls angelehntes Spiel verbindet sich aufs Erlesenste mit dem melodischen Kompositions-Gespür eines Pat Metheny.
Vor diesem Hintergrund kann man die Liedtitel eigentlich nur als Augenzwinkern verstehen: Abercrombies Stücke mögen zwar nach Hitchcock-Filmen benannt sein, aber bizarre Psychokrimis sind sie mit Ausnahme der subtil unheimlichen Kollektivimprovisation „Shadow Of A Doubt” beileibe nicht. Alles fließt, schwebt und tänzelt sachte auf der vielleicht herzerwärmendsten Einspielung des Gitarristen innerhalb der vergangenen Jahre. Man ist, um den Titel eines anderen Hitchcock-Werks zu zitieren, wirklich und wahrhaftig „spellbound“.

Josef Engels, 05.10.2013



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