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Claudio Monteverdi

Selva morale e spirituale Vol. III

The Sixteen, Harry Christophers

Coro/Note 1 COR16087
(76 Min., 5 & 11/2011)

Mit der vorliegenden dritten Folge vervollständigt Harry Christophers seine Gesamteinspielung der Sammlung geistlicher Musik „Selva morale e spirituale“ (Venedig 1641) von Claudio Monteverdi. Das abgeschlossene Projekt muss sich nun der Konkurrenz stellen: Da ist etwa Konrad Junghänels hervorragende Gesamteinspielung aus dem Jahre 2000, aber auch die ganz anders geartete von Gabriel Garrido von 2003/04 – und nicht zu vergessen die von Claudio Cavina und seinem Ensemble „La Venexiana“ von 2005.
Einen Beurteilungsmaßstab zu finden, ist nicht leicht: Allzu viele Musiker sind an einem solchen Projekt beteiligt, eine völlig homogene 1a-Besetzung scheint kaum vorstellbar. Außerdem sind schon im Vorfeld eine Menge interpretatorische und besetzungstechnische Fragen zu klären, deren unterschiedliche Lösung gegebenenfalls zu sehr verschiedenen Ergebnissen führen kann. Wenn wir an diesem Punkt ansetzen, dann müssen wir zunächst festhalten, dass sich Christophers für eine ausgesprochen kleine Instrumentalbesetzung entschieden hat: Es sind neben den Sängern nur Streichinstrumente und eine mittelstark besetzte Continuogruppe zu hören. Was hingegen vollkommen fehlt, ist der Klang von Zinken und Posaunen. Vor dem Hintergrund vertrauter Hörerlebnisse auch im Blick auf Monteverdi – man denke etwa an die Zinken in der „Marienvesper“ – darf man dies durchaus als Manko werten. Vergleicht man etwa mit Junghänels Einspielung, wird sofort klar, dass bei so sparsamer Instrumentierung ein echter Gegensatz zwischen Solo- und Tutti-Passagen ausbleiben muss. Mit anderen Worten: Es fehlt bei Christophers die klangliche Wucht und Tiefendimension, die die anderen Aufnahmen ohne Abstriche bieten – und dies, obwohl seine Sängerbesetzung sogar beinahe doppelt so groß ausfällt wie die bei Junghänel. Garrido allerdings bietet mit dem gelegentlichen Einsatz eines Kinderchores noch ein vokales Extra, das nicht zu verachten ist.
Hinzu kommt, dass Christophers sehr kammermusikalische Version aufnahmetechnisch auch nicht sehr raumbetont eingefangen wurde: Effekte der Mehrchörigkeit etwa kommen in den anderen Einspielungen auch im heimischen Hörerlebnis besser zur Geltung. Allen auf Basis der genannten Gründe würde der Autor Christophers „Selva“ nicht als erste Wahl deklarieren.

Michael Wersin, 05.10.2013



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