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Johann Sebastian Bach

Sechs Sonaten für Violine und Klavier

Michelle Makarski, Keith Jarrett

ECM/Universal 476 4582
(95 Min., 11/2010) 2 CDs

Von Friedrich Gulda ist der Satz überliefert, dass es erst Keith Jarrett geschafft hat, Bach in der Jazzszene zu verankern. Wer aber etwa Jarretts Einspielung von Bachs „Wohltemperierten Klavier“ oder der „Goldberg-Variationen“ nicht kennt, der könnte aus Guldas Lob schließen, dass der Amerikaner Bach einfach mit Blue Notes aufgefrischt hätte. Doch erstens muss Bach nicht solche Verunreinigungen über sich ergehen lassen, um irgendwann Jazz-Puristen zu begeistern. Und zweitens sieht Jarrett das genauso. Daher blendet er bei seinen Bach-Aufnahmen den Jazzjahrhundertpianisten Jarrett völlig aus und konzentriert sich ganz auf die Noten. Dennoch spitzt man auch bei der Gesamteinspielung der sechs Violinsonaten reflexartig die Ohren, ob es hier oder da nicht doch leicht zu „swingen“ beginnt. Tut es – aber eben im Geiste Bachs. Und wie sich Jarrett allein in das Eröffnungs-Largo der 5. Sonate ganz sanft und doch würdevoll hineintastet und -bewegt, lässt endgültig alle Vergleiche mit dem unerschöpflichen Improvisationskünstler verstummen.
Seine Kantabilität besitzt Substanz. Sein Non-Legato-Spiel ist kontrolliert und ausdrucksstark zugleich. Und den authentischen Bach-Drive nimmt er mit bestechender Klarheit. Wie schon bei der Aufnahme der Bach‘schen Gambensonaten mit Kim Kashkashian hat Jarrett jetzt in der amerikanischen Geigerin Michelle Makarski mehr als nur eine ideale Partnerin. Auch sie ist in allen Epochen, von der virtuosen Literatur des Barocks bis zur Neuen Musik, eine immens wendige und sattelfeste Musikerin. Und bei den Bach-Sonaten zeigt sie in Phrasierung, Artikulation und Impulsivität ihre gesamte Bandbreite. Schlank und doch volltönig ist ihr Klang. Der konzertante Schwung besitzt Kernigkeit, ohne aber ins furios Sportliche abzurutschen. Und in den langsamen Sätzen besticht Makarskis Spiel durch Erhabenheit im Intimen.

Guido Fischer, 12.10.2013



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