Responsive image
Ludwig Thuille

Sämtliche Werke für Tasteninstrument

Alasdair Beatson, David Dunnett

Champs Hill Records/Note 1 CHRCD058
(68 Min., 1/2012 & 2/2013)

Der 1861 in Bozen geborene Ludwig Thuille war Schüler und späterer Nachfolger Josef Gabriel Rheinbergers am Münchner Konservatorium, gleichzeitig pflegte er aber auch Kontakte im Lager der „Neudeutschen“, war u.a. mit Liszt und Strauss bekannt – vielleicht hätte er seine wichtige Bindeglied-Funktion noch weiter ausbauen können, wäre er nicht bereits mit 45 Jahren plötzlich verstorben. So populär Thuille seinerzeit war, so vergessen ist er heute; die auf dieser CD versammelten Klavierstücke (es sind alle, die Thuille verfasst hat) lassen vermuten, warum das so ist: Sein Stil ist eloquent und elegant, seine Harmonik ist geschmeidig, die motivischen Ideen scheinen ihm leicht aus der Feder geflossen zu sein. Dennoch – oder gerade deshalb – gibt es nichts wirklich Aufregendes, kolossal Mitreißendes oder gar Widerborstiges in diesem Klavierrepertoire. Thuilles Musik packt den Hörer kaum jemals mit Qualitäten, die ganz originell und (auch mit Blick aufs damals zeitgenössische Repertoire) neuartig anmuten.
Das liegt gewiss nicht an Alasdair Beatsons Interpretation: Beatson hat sich wahrlich in die Musik Thuilles vertieft, er lotet ihr poetisches Potential durchweg mit großer Sorgfalt und interpretatorischer Feinfühligkeit aus. Es bleibt indes der Eindruck, man habe hier reizvolle Charakterstücke in konservativer formaler Anlage mit einigen harmonischen Wagnissen vor sich. Nicht weniger freilich, aber auch nicht mehr. Dieser Eindruck ändert sich auch nicht beim Hören der ebenfalls mitgelieferten Orgelsonate, trefflich dargeboten von David Dunnett: Hier lässt Thuilles Lehrer Rheinberger hörbar grüßen; ein farbenreiches, schön anzuhörendes Stück ohne Ecken und Kanten.

Michael Wersin, 12.10.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top