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Thomas Tallis

Missa Salve intemerata, Motetten

The Cardinall’s Musick, Andrew Carwood

Hyperion/Note 1 CDA67994
(68 Min., 11/2012)

Die außerordentlich gelungene Gesamtaufnahme von Byrds geistlicher Vokalmusik durch das Ensemble „The Cardinall’s Musick“ war eine der herausragenden Alte-Musik-Produktionen des beginnenden Jahrtausends. Ihr teilweises Verschwinden beim Niedergang des Labels „Gaudete“ hat der Rezensent sehr bedauert. Umso größer war nun die Freude, eine Neuproduktion der Gruppe mit englischer Vokalpolyphonie in der Hand zu halten. Aber die Freude wurde beim Hören deutlich gebremst: Vieles, was bei Byrd begeisterte – der kräftige Zugriff auf die Einzelstimmen bei gleichzeitig überzeugender Homogenität und Intonationsreinheit –, fehlt auf der vorliegenden CD zumindest streckenweise. Die ungebrochen zupackende Art des Singens führt hier immer wieder einmal zum Herausstechen von Einzelstimmen. Die Intonation ist eigenartig trüb bis nebulös.
Eine Ursache für diese Irritationen ist sicher im Bereich des Bassregisters zu suchen: Wenn das Fundament nicht vollkommen sicher steht, dann beginnen auch die oberen Stockwerke zu wanken. Wenn die Sänger beginnen, gegen Trübungen anzusingen, gehen Leichtigkeit und Glanz verloren – Tugenden, die durchaus immer wieder einmal durchscheinen (vor allem auf Diskant-Ebene), aber sich eben nicht dauerhaft und sicher durchsetzen können. Das ist bedauerlich auch im Blick auf das interessante Repertoire: Von Thomas Tallis sind nur zwei Messordinarien überliefert, und „Salve intemerata Virgo“, eine Parodiemesse nach einer eigenen Motette, stellt mit seinen langen Bögen und seinem recht rauen Charme eine Herausforderung für die Interpreten dar. Eigentlich ein Fall für „The Cardinall’s Musick“. Aber mit diesem Programm bleibt das Ensemble deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Michael Wersin, 12.10.2013



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