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Francisco Calleja, Vicente Amigo, Dominic Miller, Leo Brouwer, Ralph Towner u.a.

En otra parte

Zsófia Boros

ECM/Universal 372 8783
(43 Min., 8/2012)

Das Repertoire für die klassische Gitarre ist riesig bis unüberschaubar. Trotzdem kommt irgendwann kein Gitarrist an den üblichen Verdächtigen, an Komponisten wie Albéniz, Granados, Ponce und Tarrega vorbei. Schließlich verkörpern sie mit ihren (zumeist arrangierten) Evergreens die spanischen, sich bis nach Lateinamerika ausgebreiteten Wurzeln der Gitarre. Natürlich kann man sich weiterhin an ihren wärmenden Klangfarben und leicht erhitzten Rhythmen laben, wenn sie nur halbwegs erstklassig gespielt werden. Doch unter der Oberfläche des Vertrauten hat sich die Hege und Pflege des Erbes eben längst weiterentwickelt. Und genau darauf hat jetzt die ungarische Gitarristin Zsófia Boros ihr Augenmerk gelegt. Für ihr Solo-Recital „En otra parte” (Woanders) hat sie Stücke nicht nur von spanischen oder kubanischen Komponisten wie Francisco Calleja und Leo Brouwer ausgewählt, die zahlreiche Standards für die Gitarre geschrieben haben. Zudem tauchen Namen auf, die man eher aus dem Jazz kennt. Dazu zählen der Engländer Dominic Miller und der Amerikaner Ralph Towner, der Gründungsmitglied der schon fast legendären Fusion-Band Oregon ist.
Dass Towner darüber hinaus aber eben zugleich ein exzellenter klassischer Gitarrist ist, zeigt sich bei seiner Ballade „Green and Golden“, für die er aufs Empfindsamste die Leichtigkeit des Jazz mit der melodischen Eleganz der gitarristischen Urväter verschmolzen hat. Abseits aller Virtuosität kann sich Zsófia Boros auch da als großartige Künstlerin ausweisen, da sie mit dem nötigen Gespür für das Zerbrechliche dieser Musik daraus ein Lied ohne Worte hervorzaubert.
Überhaupt liegt bei ihr das Lyrische in den besten Händen. In dem vom Flamenco geküssten „Callejón de la luna“ von Vicente Amigo lodert im Inneren das Feuer. Hauchzart lässt Boros nostalgische Brisen durch den Walzer „Se ela perguntar“ des Brasilianers Dilermando Reis wehen. Und in Brouwers Elegie „Un dia de noviembre“ findet man mit Folklore und Romantik genau die zwei Säulen auf das Wundersamste neu gestaltet, auf die sich einst die spanischen Gitarreneroberer mit ihren Piècen angelehnt hatten.

Guido Fischer, 19.10.2013



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