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Francis Poulenc

Sämtliche Lieder

Felicity Lott, Ailish Tynan, Sarah Fox, Ben Johnson, Christopher Maltman, Pierre Bernac, Graham Johnson u.a.

Hyperion/Note 1 CDA68021
(313 Min., 9/1977, 7/2008, 5/2010, 3/2011, 5/2011, 9/2011, 1/2012) 4 CDs

Dass Graham Johnson ein ausgewiesener Poulenc-Spezialist ist, haben wir spätestens anlässlich seiner Adaption der Klavierfassung von Poulencs Eine-Frau-Oper „La voix humaine“ bemerkt: Er konnte die Erben des Komponisten zu einer Aufführungsgenehmigung dieser eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Fassung bewegen, weil er gute Kontakte zur Familie hat; die Version von „La voix humaine“, die er dann mit seiner Studienkollegin und langjährigen künstlerischen Partnerin Felicity Lott für die DVD produzierte, kann nur als großartig bezeichnet werden. Mehr dazu in Rondo-Rezension 8409.
Ein anderer Coup gelang Johnson, der leider erst nach Poulencs Tod mit dessen Liedern in Berührung kam, schon in den Siebziger Jahren: Er lernte den alten Pierre Bernac kennen und nahm mit ihm als Erzähler Poulencs Musik zu dem Kinderbuch „L’Historie de Babar“ auf. Dieses Tondokument ist auch in dieser Box enthalten, und es handelt sich dabei zweifellos um die bewegendsten Minuten auf diesen CDs.
Darüber hinaus erleben wir auch unter den Sängern dieser Produktion wieder die mittlerweile in die Jahre gekommene Felicity Lott; ihr souveräner Umgang mit der französischen Sprache, ihr perfektes Gespür für die „richtige“ Balance zwischen Melos und Sprache besticht einmal mehr so sehr, dass die unüberhörbare leichte stimmliche Mattigkeit eigentlich überhaupt nicht ins Gewicht fällt. Ähnlich prägnant wie Lott agiert unter den Männern der Bariton Brandon Velarde: Seine Diktion weist eine ähnliche wortgenerierte Prägnanz auf wie einstmals die von Bernac. Von vielen anderen Sängerinnen und Sängern dieser Produktion kann man dasselbe nicht sagen: So wird u.a. das berühmte „Hôtel“ aus den „Banalités“ von Sarah-Jane Brandon völlig verschenkt; auch Ailish Tynan agiert wenig textnah. Die Wahl der Sänger war bei Graham Johnsons ansonsten stets vorbildlichst edierten Liedeinspielungen schon öfters Anlass für ein Fragezeichen – und so ist es auch hier wieder.

Michael Wersin, 26.10.2013



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