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Johann Sebastian Bach, Kit Armstrong, György Ligeti

Choralvorspiele, Fantasy On B-A-C-H, Musica ricercata (Auswahl) u.a.

Kit Armstrong

Sony Classical 88883747752
(76 Min., 4/2013)

Aufnahmestudiobesuch gelassen. Dabei kann der Amerikaner mit seinen erst 22 Jahren längst nicht nur eine erstaunliche Konzertpräsenz vorweisen. Armstrong ging schon früh der Ruf eines Allround-Genies voraus, mit abgeschlossenen Studien in Mathematik und Komposition. Dass er trotzdem seine bisherige Karriere erst jetzt mit einem CD-Debüt besiegelt, geht wohl auf Alfred Brendel zurück, der ihn früh gefördert hat. Und Brendel muss es auch gewesen sein, der den Bach-Pianisten Armstrong mit den alten Aufnahmen des von ihm so bewunderten Edwin Fischer vertraut gemacht haben mag. Denn der „Zaubermacht inneren Friedens“, die Brendel einmal Fischers Bach-Spiel attestierte, begegnet man bei Armstrong in den zwölf Choralvorspielen auf Schritt und Tritt. In mildes Licht getaucht hat er da solche bekannten Seelenschmeichler wie „Jesu, meine Freude“ und „Allein Gott in der Höh´ sei Ehr´“. Und ganz fließend zart gerät ihm „O Mensch, bewein dein´ Sünde groß“. Bei aller Diskretion und Noblesse in der Phrasierung, die Armstrong selbst in der 1. Partita BWV 825 beherzigt, ist dieser Bach aber um Längen moderner als der seines Mentors. Was andererseits kein Kunststück ist: Schließlich dickte Brendel Bach schon mal romantisch an. Armstrong hingegen schafft es, Herz und Verstand kurzzuschließen, indem er die innere Logik der Werke wie selbstverständlich transparent macht.
Kombiniert hat Armstrong das mit einer eigenen „Fantasie über B-A-C-H“ sowie einem halben Dutzend Stücken aus dem 1953 vollendeten Zyklus „Musica ricercata“ von György Ligeti. Wenngleich Armstrong in seine Fantasie hier und da melodische Bach-Fetzen einstreut, ist dieses 2011 komponierte Werk kein postmodernes Leichtgewicht. Dazu sind die Reibungen zu schillernd verwegen. Und ganz zum Schluss gerät die Rhythmik ins maschinell Tollwütige, als ob Armstrong den von Ligeti ja wiederentdeckten Amerikaner Conlon Nancarrow im Hinterkopf gehabt hätte. Großartig dann die Leichtigkeit, mit der Armstrong Ligetis Neo-Barbarismus und diabolische Polyrhythmik hinlegt! Keine schlechte CD-Visitenkarte, mit der sich Armstrong da für die Zukunft empfohlen hat.

Guido Fischer, 02.11.2013



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