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New Circle

Geir Lysne

ACT/Edel 1095612ACT
(55 Min., 201 1 - 2013)

Geir Lysne kannte man bislang als meisterhaften Orchestrator seiner akustischen Großformation „Listening Ensemble“, die sich mit den Aufnahmen „Aurora Borealis“, „Boahjenásti“ und „The Grieg Code“ in erster Linie in skandinavischen Klanglandschaften tummelte. Davon ist „New Circle“ nun vermeintlich weitestmöglich entfernt. Norwegen ist nicht genug: In kleiner, elektrifizierter Besetzung und als selbstbewusster Solist am Saxofon lässt Lysne nun den gesamten Weltkreis in seine Musik hinein.
Fela Kutis wild pulsierender Afro-Funk steht hörbar Pate beim Opener „Please Welcome“, Sängerin Huong Thanh und Gitarrist Nguyên Lê entführen den Hörer bei der Nummer „A Million Stars“ nach Vietnam. Über Zwischenstationen auf dem Balkan (am Ende von „Kaa Is Back In Town“) und in einem Indianerreservat („Amana Na Nunga“) endet die Reise schließlich im Senegal, wo Sänger und Kora-Spieler Solo Cissokho nach der Weltmusik-Tour-de-Force Trost und Ruhe spendet.
Faszinierend ist dabei, wie es Geir Lysne gelingt, all diesen höchst unterschiedlichen Kontexten – darunter auch NuJazz à la Bugge Wesseltoft und postmoderne nordische Kirchenmusik – seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Einen wichtigen Anteil daran hat zweifellos Toningenieur Reidar Skår, der sämtliche, von echten Instrumenten eingespielte Noten nachträglich am Computer einer aufwendigen Verfremdungsbearbeitung unterzog.
Das Pluckern, Tuckern und joikhafte Sirren bliebe freilich nur ein nettes Gimmick, wenn da nicht Lysnes Arrangements wären. Ähnlich wie bei seinem „Listening Ensemble“ legt der Norweger auch bei seinem Elektroweltmusikjazz großen Wert auf Details. Wo andere einen Groove einfach mit den Mitteln der Dynamik und rhythmischen Anreicherung steigern würden, setzt Lysne auf überraschende mehrstimmige Themen von Saxofon, Trompete und Posaune. Da öffnet sich für den Komponisten und Saxofonisten ein neuer Kreis, ohne dass der alte für immer geschlossen wäre.

Josef Engels, 02.11.2013



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