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Antonín Dvořák

Violinkonzert a-Moll, Romanze für Violine und Orchester f-Moll u.a.

Anne-Sophie Mutter, Berliner Philharmoniker, Manfred Honeck

DG/Universal 4791984
(55 Min., 2/2013) CD + DVD

Ach, noch einmal Kind sein dürfen, geborgen in Wohlwollen und Mitgefühl sich ausweinen dürfen an – Entschuldigung – der Mutter Brust. Was soll‘s! Stilblüten sind kaum zu vermeiden, wenn man das Erlebnis von Dvořáks Romanze in der Interpretation der großen Anne-Sophie spontan zu verschriftlichen sucht. Wobei es im Gegensatz zur Schriftfassung beim zweiten Hören auch bei kritischer Begutachtung zu keiner Reue kommt: Mutters Seufzer und Schluchzer sind zwar deutlich, aber nicht aufgesetzt und die allerersten, die sich von ihr überzeugen lassen, sind ganz offensichtlich die Berliner Philharmoniker, die ihre Kantilene mit großer Feinfühligkeit duftig umspielen. Nun soll allerdings das Hauptwerk, das Mutter und die Philharmoniker bei ihrem ersten Zusammentreffen seit Karajans Tagen spielen, Dvořáks Violinkonzert sein.
Und keine Frage: Auch dieses Werk liegt der Solistin, die das volksmusikalische Element hier einmal bewusst nicht übertreibt, sondern ebenso überzeugend wie eindringlich daran erinnert, dass Dvořáks Verleger Simrock den Komponisten ausdrücklich um ein kantilenenreiches Werk gebeten hat. Weichgezeichnet wird dabei dennoch nicht: Gerade wegen der Süße von Mutters Ton wirken die Fortissimo-Ausbrüche des ersten Satzes erschreckender als gewöhnlich – besonders in der Studioaufnahme, die dem schön gefilmten DVD-Konzertmitschnitt als CD beigegeben ist. Nicht ganz so überzeugend ist das Finale: Möglicherweise ist es Mutters Anliegen, den Geist des aus dem ersten Satz erwachsenden Adagios auch in diesem Satz zu spiegeln, doch wird das Giocoso-Element untertrieben. Denn irgendwann muss das getröstete Kind ja auch wieder lachen.

Carsten Niemann, 16.11.2013



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