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John Dowland, Thomas Robinson, Valentin Strobel u.a.

Doulandia – Werke für Laute und Zister

Lee Santana

dhm/Sony 88883772072
(64 Min., 4/2013)

In dem an runden Geburtstagen nicht gerade armen Jahr 2013 haben sich Verdi und Wagner so (unverschämt) breitmachen dürfen, dass fast kein Platz mehr für zwei englische Kollegen geblieben ist. Der eine ist Benjamin Britten (100. Geburtstag), der andere John Dowland (450. Geburtstag). Er mag es da sogar noch schwerer haben, da er eher zu den musikalisch introvertierteren Stars der Musikgeschichte gehörte. Aber vielleicht war man bislang einfach der Meinung, dass etwa mit Paul O´Dettes Gesamteinspielung der Lautenwerke oder mit Stings Dowland-Hommage vorerst alles gesagt ist. Zum Glück gibt es noch den amerikanischen Lautenisten Lee Santana, der auch schon lange fleißig als Dowland-Botschafter unterwegs ist – wenngleich bislang als Teamplayer im Ensemble der Gambistin Hille Perl. Auf seinem Solo-Album „Doulandia“ hat Santana nun dem Jubilar sogar mit einem eigenen Ständchen gratuliert und dabei Dowlands kunstvolle Chromatik dezent zeitgenössisch aufgefächert, erweitert. Und schon mit dieser Paraphrase outet sich Santana als ein „Dowlandianer“, dem die klanggewordene Empfindsamkeit des elisabethanischen Zeitalters in Fleisch, Blut und Herz übergegangen ist.
So weiß Santana auf zwei modernen Renaissance-Lauten ganz genau, wie man in den Dowland-Hits wie „The King Of Denmark“, „The Lady Rich´s Galliard“ oder „Lady Hundson´s Puffe“ das Leichte mit der Seelenschwere in eine Balance bringen muss. Da Santana aber eben auch vom Repertoire keine Aufnahme von der Stange liefern wollte, hat er sich bei Dowland-Zeitgenossen und im eigenen Privatarchiv umgesehen. Fündig geworden ist er da bei Thomas Robinson, der einige Dowland-Songs für Laute einrichtete, sowie bei einem gewissen Valentin Strobel, der für seine Pavana auf Dowlands berühmtes „Lachrimae“-Konvolut zurückgegriffen hatte. Und auch diese musikhistorischen Querverbindungen und Quellenforschungen bringt Santana mit der nötigen Portion Gedankenverlorenheit zum Klingen.
Bei einem Kapitel seines dreiteiligen Dowland-Tributes ahnte er aber schon, dass es manche Diskussion auslösen wird. „Die Idee, Dowland auf der Zister zu spielen, ist wohl genug, um einigen orthodoxen Lauteros die Krätze zu geben“, schreibt Santana im Booklet. Ganz so schlimm hören sich die vier Stücke auf der Zister, deren Klang an eine Mandoline erinnert, aber wirklich nicht an.

Guido Fischer, 16.11.2013



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