Eine stille, eine ungemein friedliche CD: Das Label „Stylus phantasticus“, das der Beihefttext dem hier präsentierten norddeutschen Repertoire verleiht, bezieht sich allein auf die formale Anlage der Musik und auf die gelegentliche innere Unruhe, die beim vokal-instrumentalen Lobpreisen des Allerhöchsten entsteht. Nach außen hin dagegen herrscht eine großartige konzentrierte Ruhe, die sofort auch auf den Hörer übergeht.
Truhenorgel, Violine und Gambe begleiten mit Hana Blažíková eine Sängerin, die sich mit vollkommener Technik und faszinierender Fokussierung ihren Weg durch die höchst vielfältigen barocken Melismen zu bahnen versteht, ohne dabei jemals den Text aus den Augen zu verlieren: Bibelwort und geistliche Poesie werden von ihr mit entwaffnender Natürlichkeit zelebriert; ihr reines, warmes Timbre, das dem Vortrag ein hohes Maß an Intimität und Ehrlichkeit verleiht, sucht seinesgleichen. Die Musiker, die sie begleiten, agieren aus derselben Haltung: Markus Märkl liefert intelligente, einfallsreiche Continuoaussetzungen, die sich den vokalen Linien stets so intensiv wie möglich anschmiegen. Daniel Deuter und Heike Johanna Lindner dialogisieren mit der Sängerin naturgemäß nonverbal, aber stets in größtmöglicher Nähe zum Affekt des Textes. Mitunter entfalten sie in längeren instrumentalen Abschnitten ihr musikalisches Material ebenso gelassen wie engagiert. Man möchte nicht aufhören zu lauschen.

Michael Wersin, 30.11.2013



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