Responsive image

Tangarta

Christian Bakanic's Trio Infernal

Sessionwork/Harmonia Mundi EAN 9005321158134
(58 Min., 10/2012 & 3/2013)

Kaum ein Instrument hat in den vergangenen Jahren eine derartig erstaunliche Karriere im europäischen Jazz gemacht wie das Akkordeon. Schon lange steht Richard Galliano nicht mehr allein auf weiter Flur. Eine ganze Reihe von jüngeren Kollegen wie Stian Carstensen, Jean-Louis Matinier, Klaus Paier, Vincent Peirani, Luciano Biondini oder Fausto Beccalossi haben aus dem zu Unrecht belächelten Schifferklavier so etwas wie die Jazz-App der Stunde gemacht.
Der Österreicher Christian Bakanic treibt die Popularisierung des Akkordeons im Improvisations-Kontext jetzt noch weiter voran, indem er die Einsatzmöglichkeiten der Ziehharmonika ausweitet. Gewiss: Ähnlich wie seine Mitbewerber setzt Bakanic in seiner Musik auf die Einflüsse von Volksmusik, Tango Nuevo und auch Gassenhauer-Klassik (so befindet sich auf „Tangarta“ unter anderem Saties „Gymnopédie Nr. 1“). Die bloße Zurschaustellung virtuoser Fähigkeiten ist jedoch keineswegs Bakanics Hauptanliegen. Er ist sich nicht zu schade, gelegentlich auch die Tasten eines hundsgewöhnlichen Keyboards zu drücken – das sorgt für Abwechslung im Sound und entspricht auch der denkbar weit vom Purismus entfernten Haltung des Steirers.
Mindestens ebenso stark wie mit Piazzolla oder Galliano liebäugelt Bakanic eben auch mit einigen popmusikalischen Entwicklungen der 90er Jahre: Gemeinsam mit Kontra- und E-Bassist Christian Wendt und Schlagzeuger Jörg Haberl schickt er das Akkordeon geradewegs auf den Dancefloor. Man hört Anklänge von House, Drum&Bass und dem einstmals sehr populären Gotan Project. Sogar vor einem Cover der Crossover-Wüteriche „Rage Aganist The Machine“ schreckt das Dreigespann nicht zurück. Weil Bakanics Trio dabei nicht nur gewitzt infernal, sondern auch geschmackvoll agiert, wird „Tangarta“ zu einer weiteren unterhaltsamen Etappe beim anscheinend unaufhaltsamen Siegeszug des Akkordeons.

Josef Engels, 14.12.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top