Responsive image

El camino

Susanne Paul's Move Quartet

JazzHausMusik/NRW Vertrieb JHM221
(53 Min., 2/2013)

Streicher sind im Jazz schon lange nicht mehr eine bloße Sättigungsbeilage für die improvisierenden Kollegen. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Ensembles, die nach dem Vorbild des Kronos Quartets die klassische Literatur ganz selbstverständlich um Blues, Weltmusik und Rock erweitern.
Im Vergleich zu ähnlichen Formationen wie dem schwedischen Fleshquartet oder dem Radio String Quartet Vienna weist das Quartett der Berliner Cellistin Susanne Paul eine gewisse Besonderheit auf: Es hat einen Kontrabass in seinen Reihen. Das macht den Klang des Move Quartets in den Tiefen nicht nur voller, sondern sorgt auch für zusätzliches Improvisationsflair, wenn jemand wie der portugiesische Gratwanderer Carlos Bica die Saiten zupft oder streicht.
Bica mag zwar der am tiefsten im Jazz verwurzelte Instrumentalist des Ensembles sein – alleine steht er freilich nicht da. Vor allem die Anführerin Paul bewegt sich völlig anstands- und mühelos zwischen den verschiedensten Welten. Davon legen auch ihre Kompositionen Zeugnis ab: Die spannen einen großen Bogen von Vivaldi, Bach und Debussy bis hin zu Led Zeppelin oder Apocalyptica, haben aber nichts Sensationsheischendes an sich.
Mit viel trockenem Humor und großer Weltläufigkeit durchmessen Paul, Bica, die unlängst auch bei Nils Wograms „Riomar“-Projekt zu hörende Geigerin Gerdur Gunnarsdóttir sowie der Bratschist Ari Poutiaien in einem Stück ganze Musik-Kontinente. Ihre Arbeitsgeräte nehmen dabei akustisch die eigentümlichsten Formen an: Mal werden sie zu einem westafrikanischen Daumenklavier („Basics Of Birds“) oder zu einer marokkanischen Guembri-Laute („Baobab“), mal klingen sie wie Perkussionsinstrumente (eigentlich fast immer), mal wie Krabbelgetier aus einer anderen Dimension („Space Insects“). Bewiesen werden muss hier nichts. Der Weg ist auf „El camino“ vielmehr das Ziel.

Josef Engels, 21.12.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top