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John Taverner

Missa Gloria tibi Trinitas

The Tallis Scholars, Peter Phillips

Gimell/Note 1 CDGIM045
(79 Min.)

Sie können es noch: Die „Tallis Scholars“ warten derzeit nicht allzu oft mit Neueinspielungen auf, aber wenn sie es tun, erweisen sich ihre altbewährten Qualitäten als ungebrochen präsent. Ein vibratoarmes und dadurch in sich ungemein ruhiges Strömen gehört zu den Markenzeichen; es ist verbunden mit größtmöglicher Intonationsreinheit, ohne welche die Vibratoarmut ihre großartige Wirkung niemals entfalten könnte. Die Besetzungsliste wurde im Laufe der Jahrzehnte immer wieder einmal verjüngt, aber die helle, obertonreiche Klarheit im Klang der einzelnen Stimmen ist ein Haupterkennungsmerkmal geblieben: Beinahe wie eine Orgel tönt diese Gruppe, wäre da nicht die individuelle Belebtheit, die „Anima“, die bei aller Objektivität des Herangehens aus jedem einzelnen Part spricht.
Taverners sechsstimmige „Missa Gloria tibi Trinitas“ ist eine jener englischen Renaissance-Messen, die schon in den ersten Takt unmissverständlich ihre Herkunft preisgeben: Ein volltönender, satter Unterstimmensatz trägt eine bemerkenswert hoch (höher als bei den Festland-Messen der Zeit) gelegene Diskantstimme, die nach dem Prinzip der Varietas immer neue expressive melodische Wendungen zu „erfinden“ scheint. Der aus dem Stundengebet des Dreifaltigkeitstages stammende gregorianische Cantus firmus liegt in der zweiten Stimme von oben. Insgesamt umfasst der Ambitus des Satzes bis zu drei Oktaven, was eine unerhörte Klangfülle zur Folge hat. Nimmt man die Qualitäten der Musik und ihrer hier gebotenen Interpretation zusammen, muss man sagen: Schöner kann klassische Vokalpolyphonie kaum sein.

Michael Wersin, 21.12.2013



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