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Johann Sebastian Bach

In Tempore Nativitatis – Weihnachtskantaten BWV 110, 151 & 63

Ricercar Consort, Philippe Pierlot

Mirare/harmonia mundi MIR243
(68 Min., 11/2012)

Eigentlich schätzen wir Philippe Pierlots Bach-Interpretationen sehr – seine Johannespassion etwa bot Anlass zu großem Lob: Pierlot hat ein gutes Gespür sowohl für die Wahl seiner Gesangssolisten wie auch für die Ausgestaltung und Ausbalancierung des Gesamtklangs, der in der Regel angenehm konturiert und tiefenscharf ausfällt. Von all diesen Tugenden ist auch auf dieser CD mit Weihnachtskantaten des Leipziger Meisters eine Menge zu spüren. Mit dem Tenor Julian Prégardien etwa hat Pierlot wieder einmal eine gute Wahl getroffen, und schon in der instrumentalen Einleitung des Eingangschores von „Christen, ätzet diesen Tag“ (BWV 63) beweist er erneut sein gutes Gespür für einen kompakten, aber gleichzeitig doch differenzierten, vielschichtigen Bach-Sound. Aber es gibt daneben auch Probleme auf dieser CD: Immer wieder einmal will etwa das Tempo nicht so richtig einrasten. Der genannte Eingangschor beispielsweise beginnt angenehm zügig, verliert aber schon im ersten Ritornell an Schwung. Besonders auffällig wackelt es im Sopran-Tenor-Duett „Ehre sei Gott in der Höhe“ aus BWV 110: Die Continuogruppe drängt immer wieder deutlich voraus, als wolle sie nicht konsequent mit den Sängern atmen.
Wundervoll gelang dagegen der Eingangssatz von „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“ (BWV 151): Dieses Siciliano mit obligater Flöte und Sopranstimme atmet den Geist unerschütterlicher Ruhe, und in die verzückte Freude über die Ankunft des Messias mischt sich auch ein Hauch von Melancholie, wie sie wohl Teil jenes emotionalen Spektrums sein kann, mit dem eine kleine Menschenseele auf das unvorstellbare Selbstopfer Christi reagiert. Erfreulich auch die Alt-Arie „In Jesu Demut kann ich Trost“ aus derselben Kantate, in der ein stimmlich wie interpretatorisch souveräner Carlos Mena mit seinem herrlich timbrierten Alt brilliert. Viel Licht also, aber auch ein wenig Schatten auf dieser Kantaten-CD – am Ende überwiegt beim Rezensenten allerdings die Freude.

Michael Wersin, 01.02.2014



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