Responsive image
Robert Schumann

Bunte Blätter op. 99, Albumblätter op. 124

Tobias Koch

Genuin/Note 1 GEN13285
(75 Min., 10/2012)

Eigentlich sollten Schumanns „Bunte Blätter“ ja „Spreu“ heißen – doch dann hatte der Komponist ein Einsehen mit dem Verleger und fand einen poetischeren Namen für das, was er an spannenden Skizzen und unveröffentlichten Miniaturen herauszugeben gedachte. Die Fortsetzung der populären Sammlung nannte der Komponist dann „Albumblätter“ – und es ist eine schöne Idee, dass Tobias Koch seine Einspielung beider Zyklen mit ein paar echten Albumblättern abrundet, von Schumanns Freunden Theodor Kirchner und Woldemar Bargiel. Hinzu kommt ein 2011 aufgefundenes Albumblatt, das Johannes Brahms für den Göttinger Universitätsmusikdirektor Arnold Wehner schrieb: Es handelt sich um ein gut zweiminütiges, wehmütiges Allegro con espressione und ist hier als Ersteinspielung zu hören. Durchaus auf der Höhe anderer Albumblätter ist Schumanns ebenfalls hier ersteingespielte Skizze „Da kein Brief von Dir kam“.
Im Mittelpunkt der Einspielung stehen jedoch weiterhin die von Schumann veröffentlichten Sammlungen – und auch der Tröndlin-Flügel von 1830, auf dem Tobias Koch musiziert. Das in Leipzig gebaute Instrument verbindet eine farbenreiche Klangfülle mit Trennschärfe. Selbst wo Koch – dem Vorbild Schumanns folgend – die Dämpfung über viele Takte völlig aufhebt, wird der Zusammenklang von kernigem Bass, glockigem Alt und gläsernem Sopran darüber nicht breiig. Die Vielfalt der Ausdruckscharaktere meistert Koch gewohnt poetisch, frisch und virtuos. Und auch wenn die Interpretation im Gegensatz zu den zahlreichen anderen Projekten Kochs in der rhythmischen Feinzeichnung wie in der Sanglichkeit einen Hauch routinierter wirkt, so wäre es nach wie vor verfehlt, diese schönen Miniaturen „Spreu“ zu nennen.

Carsten Niemann, 08.02.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Jeder Künstler braucht eine Muse. Wer weiß, ob Richard Wagner „Tristan und Isolde“ geschrieben hätte, wenn er nicht 1852 in Zürich seine Seelenfreundin Mathilde Wesendonck kennen gelernt hätte. Was da genau gelaufen ist, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Der intime Ton eines Briefes Richard Wagners an Mathilde reichte in jedem Fall aus, um seine erste Frau Minna (die das Schreiben abfing) zu alarmieren. Es folgten ein unschöner Eklat und das Ehe-Aus der Wagners. Mathilde aber war nicht […] mehr »


Top