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Peter Eötvös

Sonata per sei, Psalm 151, Kosmos

GrauSchumacher Piano Duo, Paulo Álvares, Schlagquartett Köln

Wergo/New Arts International WER67482
(54 Min., 2002, 2008, 2010)

Es sind genau diese Zufälle, die dem Leben die erhoffte Richtung geben. Als Peter Eötvös irgendwann im Jahr 1966 durch die Flure der Kölner Musikhochschule schlenderte, fiel sein Blick auf einen kleinen Aushang. „Stockhausen sucht Kopisten“, stand da zu lesen. Und wie Eötvös später einmal gestand, war er sogleich wie vom Donner gerührt. Schon in seiner ungarischen Heimat hatte er Karlheinz Stockhausen für seinen elektronischen Meilenstein „Gesang der Jünglinge“ bewundert. Nun bot sich dem 22-Jährigen, der dank eines Stipendiums an den Rhein gekommen war, die einmalige Chance der Zusammenarbeit. Eötvös griff zu und fand sich bald auch als Pianist, Schlagzeuger und Klangregisseur im Inner Circle des exklusiven Stockhausen-Clans wider. Mitte der 1970er Jahre schlug Eötvös zwar endgültig einen erfolgreichen Karriereweg als Komponist und Dirigent ein, doch blieb er nicht nur Stockhausen bis zu dessen Tod 2007 freundschaftlich eng verbunden. Auch klangsprachlich ließ Eötvös, der gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, immer mal wieder eine gewisse Nähe zu dem Rheinländer aufblitzen. Wie etwa 2006, als er seine Sonate für zwei Klaviere und drei Schlagzeuger mit herrlich saftigen, luftigen und kitschigen Keyboard-Sounds unterfütterte, mit denen Stockhausen auch gegen Ende seines Schöpferdaseins seine spirituellen Klangvisionen dekorierte.
Diese Sonate ist aber zugleich – wie auch die Klavierduo-Komposition „Kosmos“ – eine Verbeugung Eötvös´ vor seinem großen Landsmann Béla Bartók. So wie das für sechs Musiker geschriebene, das Motorische burlesk auskostende Werk von Ferne Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug in Erinnerung ruft, so ist „Kosmos“ eine etwas andere Fortsetzung von Bartóks berühmtem Klavierzyklus „Mikrokosmos“. Unter dem Eindruck von Juri Gagarins Erdumkreisung komponierte Eötvös 1961 für vier Klavierhände quasi seine Urfassung von der Entstehung des Universums. Und auch dieses 1999 noch einmal überarbeitete Werk liegt mit seinen abrupten „Big Bang“-Schlägen, riesigen Triller-Ketten und heftig auseinanderspringenden Akkorden in den exzellenten Händen des GrauSchumacher Piano Duos. Überhaupt fühlen sich die beiden Pianisten in diesem einladend dreidimensionalen, voller Überraschungen steckenden Kosmos genauso pudelwohl wie der Keyboarder Paulo Álvares und das Schlagquartett Köln, das zudem einen großen Auftritt in einem etwas anderen Abschiedsgesang hat. Zum Gedenken an den amerikanischen Rock-Freak Frank Zappa schrieb Eötvös einen „Psalm 151“, der in seiner rituellen Anmutung eine unglaubliche Sogkraft und Wucht entwickelt.

Guido Fischer, 22.02.2014



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