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Breakfast On The Morning Tram

Stacey Kent

Blue Note/EMI 501611-2
(52 Min., 3/2007) 1 CD

Die Karriere der in New Jersey geborenen Stacey Kent ist eine wundersame. Vor 17 Jahren besuchte die Literaturwissenschaftlerin das alte Europa, um ihre Sprachkenntnisse aufzubessern. Daraus wurde allerdings nichts. In Oxford traf sie den Saxofonisten Jim Tomlinson, verliebte sich in ihn – und wurde Jazzsängerin. Ihre Platten fanden Gefallen bei der Kritik und beim Publikum. Und zwar so viel, dass die inzwischen 39-Jährige einen Vertrag bei der französischen Dependance von Blue Note ergattern konnte.
Stacey Kent macht ihrem neuen Arbeitgeber, der es schon immer etwas populärer mochte (und spätestens seit Norah Jones auch wieder ordentlich Geld verdient), alle Ehre. "Breakfast on the Morning Tram" ist ein schön süffiges Album geworden, auf dem Kent die Standards aus dem Great American Songbook zur Seite legt und mit originellem Alternativmaterial aufwartet. Sie interpretiert Französisches von Serge Gainsbourg, Filmmelodien ("Samba Saravah" aus "Ein Mann und eine Frau") sowie extra für sie geschriebene Songs.
Letztere haben es wahrlich in sich. Kents klare Jungmädchenstimme, die ältere Hörer an Blossom Dearie erinnern mag, jüngere an Silje Nergaard, darf da erstaunliche Geschichten erzählen. Etwa von einem bizarren Urlaub in einem Hotel aus Eis. Oder von dieser Straßenbahn, in der es ein Frühstücksbüffet für Liebeskranke gibt. Man hört den Texten, die vom Booker-Preisträger Kazuo Ishiguro ("Was vom Tage übrig blieb") stammen, gespannt zu. Das gefällt, ohne allzu gefällig zu sein.

Josef Engels, 23.11.2007



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